Man kann Angst haben und trotzdem handeln
Kennen Sie das auch? Sie haben einen neuen Kunden, dessen Auftrag Sie unbedingt brauchen. Das Angebot soll perfekt sein, aber vor lauter Angst, einen Fehler zu machen, verschieben Sie den Termin. Sie schreiben ein Exposé für ein Buch, aber alle guten Ideen, die sie hatten, als Sie nur für sich Notizen machten, lösen sich in Luft auf. Sie haben Herzklopfen, fühlen sich wie früher bei Schulprüfungen oder Klassenarbeiten und flüchten in ach so wichtige Tätigkeiten, die nichts, aber gar nichts, mit dem wichtigen Projekt zu tun haben. Angst.
Angst ist in existentiellen Situationen ein guter Schutzmechanismus. In freier Wildbahn kann Stillhalten das Leben retten. Im Krieg bei Beschuss kann Tarnung und Starre verhindern, zur Zielscheibe zu werden. Kinder machen die Augen zu und denken, sie werden umgekehrt nicht gesehen.
Aber warum verhalten wir uns in harmloseren Situationen so? Warum lassen wir uns von der Angst leiten und verfallen in eine symbolische Starre der Vermeidung? Vielleicht ist es ein Reflex, ein Relikt aus Zeiten, in denen Bedrohung real war. Vielleicht ist die Gleichung „Angst = Vermeidung“ aber auch einfach eine schlechte Angewohnheit. Schlechte Angewohnheiten aber kann man ändern. Man kann Angst haben und trotzdem handeln. Vielleicht nicht perfekt handeln, aber eben überhaupt handeln.
Wo sind Ihre Schwachpunkte, Ihre Vermeidungsstrategien, Ihr Bauchgrummeln?
Also, schreiben Sie sich den Satz irgendwo hin, wo Sie ihn vor Augen haben:
Ich kann Angst haben und trotzdem handeln!
Add comment 22. September 2009
Zweifelhafte Sommerfreuden: Die Wespen
Add comment 13. August 2009
Hilde Domin – 100. Geburtstag
Heute wäre Hilde Domin 100 Jahre alt geworden. In den Zeitungen stehen heute so viele kluge Artikel über sie, dass ich jetzt keinen eigenen hinzufügen möchte … Aber ich möchte Ihnen einige Hinweise ans Herz legen, um Hilde Domin besser kennen zu lernen.
Lesen Sie zum Beispiel den Artikel aus der FAZ:
„Hilde Domin zum Hundertsten„
Ihre wunderbaren Gedichte können Sie hier nachlesen:
In der vorigen Woche wurde im Fernsehen ein interessanter Film über Hilde Domin wiederholt: „Ich will Dich“. Diesen Film gibt es auch als DVD. Ich kann ihn jedem, der Hilde Domin schätzt, empfehlen.
Aus der Kurzbeschreibung von amazon.de:
„‘Ich will dich’ ist ein sehr persönlicher, direkter Film über Werk und Leben der Dichterin Hilde Domin gedreht von einer fast 70 Jahre jüngeren Filmemacherin: Anna Ditges hat die Grande Dame der deutschen Nachkriegsliteratur durch die letzten zwei Jahre ihres langen und spannungsreichen Lebens mit der Kamera begleitet.
Eine junge Filmemacherin entdeckt die Lyrik von Hilde Domin und beschließt, die berühmte Dichterin kennen zu lernen. Sie trifft auf eine wache, unkonventionelle 95jährige in einer Wohnung voller Bücher, Rosen und Erinnerungen mit einer Lebensgeschichte, in der sich das letzte Jahrhundert spiegelt.“
Viele weitere Links mit Informationen über Hilde Domin finden Sie im Exil- Archiv. Diese Website ist übrigens auch für die Biografien anderer Exil- Autoren und Autorinnen eine Fundgrube.
Add comment 27. Juli 2009
Privat- Archäologie
Ja, ja, ich habe mein Blog vernachlässigt. Ich hatte ja ganz am Anfang erzählt, dass ich es einfach mal ausprobieren will mit dem Bloggen. Und was stelle ich fest? Ich hab schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn mal eine Woche nicht blogge. Das finde ich nicht gut. Das schlechte Gewissen, meine ich.
Bei mir war in den letzten Tagen einiges andere wichtiger. Schöne volle Tage, an denen ich dann abends keine Lust mehr zum „Pflichtbloggen“ hatte. Auch wenn mir dadurch vielleicht die mühsam aufgabaute Leserschaft untreu wird. Das gleiche gilt fürs Twittern: Das reale Leben darf auch weiterhin den Vorrang haben.
Neben den normalen Terminen habe ich lustvoll Akten gewälzt. Ja! Nämlich alte Akten. Die ich aussortiert habe. Versicherungsunterlagen, Buchideen, die nicht mehr aktuell sind, frühere Manuskript- Fassungen, Archiv- Artikel, die ich mittlerweile jederzeit im Internet finde, Kochrezepte, die ich doch nie kochen werde, Briefe, die ich längst beantwortet habe , aber noch eine Weile aufbewahrte, Computer- Tipps, die ich noch einheften wollte. Garantien und Gebrauchsanweisungen für Geräte, die wir in der Zwischenzeit entsorgt haben, Bastelanleitungen für Geschenke, die längst verschenkt sind. Und auch Bücher, die ich garantiert nie mehr lesen werde. Obwohl sie Klassiker sind, die mich sicher weiter interessieren werden. ABER: Sie sind in kleiner Schrift gedruckt. Und die ist mit meinen nicht mehr so jungen Augen, die das Kunststück fertig bringen, kurzsichtig und altersweitsichtig gleichzeitig zu sein, fürchterlich anstrengend. Dennoch, Durchblättern muss sein, Erinnerungen kommen hoch: Da finde ich in einem Buch Anmerkungen in meiner jugendlichen Handschrift am Rand, ja, dieses Buch habe ich für eine der legendären Literatur- Vorlesungen von Walter Jens in Tübingen Ende der sechziger Jahre gelesen. Wehmut: Gerade lese ich das Buch seiner Frau Inge Jens „Unvollständige Erinnerungen“. Dies Buch möchte ich Ihnen sehr ans Herz legen.
Sie schreibt darin unter anderem auch über die Demenz ihres Mannes. Dieser beeindruckende Intellektuelle, dem wir so viel verdanken, weiß nicht mehr, wer er ist … Gedanken über das eigene Altern …
Ein Durchgang durch viele Lebensbereiche und viele Lebensphasen. Buddeln in die Tiefe mehrerer Jahre (obwohl ich dieses Ausmisten jedes Jahr mache, bleibt immer noch viel hängen …) . Das ist Archäologie im Kleinen, vorsichtig Schichten abtragen, um die wirklich wichtigen Dinge freizulegen. Vieles, was vor Monaten sehr wichtig schien, ist heute schon unwesentlich und kann entsorgt werden. Vieles, was vor Monaten dringlich war, hat sich in der Zwischenzeit von selbst erledigt.
Jeder leere Ordner schafft Platz für Neues und Zukunft, und das belebt ungemein.
So, jetzt werde ich weitermachen. Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Freitag und ein sonniges Wochenende.
Add comment 24. Juli 2009
Newsletter Juli 2009 jetzt im Archiv
Am 15. Juli ist mein Newsletter Juli erschienen. Wenn Sie ihn verpaßt haben: melden Sie jetzt zum kostenlosen und unverbindlichen Abonnement an!Dann erhalten Sie auch Zugang zum Archiv aller bisher erschienenen Newsletter.
Add comment 17. Juli 2009
Schreib- Übung zum Thema „Innere Berufung“
Vielleicht geht es Ihnen auch so: Sie haben beruflich viel erreicht, spüren aber immer noch so ein nagendes Gefühl, immer noch nicht „angekommen“ zu sein. Sie haben viele Fortbildungen gemacht, spüren aber immer noch, dass das „Richtige“ nicht dabei war.
„Eigentlich“ sollten Sie zufrieden sein, da ist eine innere Stimme, die Ihnen fast ein schlechtes Gewissen macht. Ein schlechtes Gewissen, weil Sie nie zufrieden sind, und ein schlechtes Gewissen, weil Sie nicht längst etwas geändert haben.
Ich verspreche Ihnen nun keine Wunder, aber versuchen Sie es einmal mit dieser hilfreichen Übung :
Übung: Träume sortieren
Gehen Sie in Gedanken alle Ideen und Pläne durch, die Ihnen in früheren Jahren verlockend erschienen und auch die, die Sie jetzt noch reizvoll finden.
Sie wollten bis zum 30. Lebensjahr perfekt englisch und spanisch können? Sie wollten in den Bundestag? Sie wollten einen Beruf, in dem Sie viel von der Welt sehen? Sie wollten eine berühmte Künstlerin werden? Sie wollten in den Entwicklungsdienst gehen? Sie wollten mit Kindern arbeiten? Sie wollten ein altes Haus in Frankreich umbauen und in einem sonnigen Klima leben? Sie wollten selbstständig arbeiten, ohne Chef? Ja, ganz früher wollten Sie sogar „Filmschauspielerin“ sein? Und später bedauerten Sie es, dass Sie als Kind den Geigenunterricht abgebrochen haben? Sie würden gern noch Querflöte lernen? Sie möchten gern etwas tun, wo man ein handgreifliches Ergebnis hat? Sie wollten unbedingt ein Buch schreiben? Sie waren immer fasziniert von der Medizin? Manchmal denken Sie, Sie könnten wenigstens noch Heilpraktiker werden?
Schreiben Sie alle Punkte auf (am besten in ein Notizbuch) und lassen Sie einige Zeilen Platz dazwischen. Lassen Sie sich ruhig einige Tage Zeit und ergänzen Sie die Liste. Wenn Sie mögen und wenn es noch möglich ist, fragen Sie auch Ihre Geschwister, Eltern und alte Freunde aus verschiedenen Lebensphasen, an welche Ihrer früheren Eigenarten und Ideen sie sich noch erinnern. Sie werden überrascht sein, was andere an Ihnen wahrgenommen haben!
„Du hast doch mit 16 schon davon geträumt, mal in Amerika zu leben“! – „Du konntest doch nie genug bekommen von spannenden Geschichten“ – „Du hast damals schon immer so patente Ideen gehabt, wenn wir auf Klassenfahrt waren“ – „Ich dachte immer, Du wirst mal Lehrerin, Du konntest immer so gut erklären“ – „Du hattest doch immer irgendeine Handarbeit dabei“ -“Ich hab Dich immer um Deine tollen Bilder im Kunstunterricht beneidet“- „Weißt Du nicht mehr, dass wir Dich damals immer Daniel Düsentrieb genannt haben? Ich hab´ nie verstanden, dass Du BWL studiert hast“.
Ergänzen Sie Ihre Liste um diese Punkte.
Dann schreiben Sie auf eine Karte die Worte „vorbei, vielleicht, hoffentlich, möglich, sicher“ in verschiedenen Farben.
Mit dieser Karte in der Hand gehen Sie nun Punkt für Punkt durch und notieren dahinter jeweils mit den farbigen Stiften, in welche Kategorie dieser Wunsch fällt.
Vorbei die Idee mit der Medizin? Oder doch ein kleines „Vielleicht“? Eine Stelle, die Ihnen mehr Zeit lässt – hoffentlich? Die Schauspielerei – wirklich „vorbei“, oder gäbe es da womöglich doch ein kleines „Vielleicht“? Das Jahr im Ausland – „möglich“ oder „vorbei“?
Es mag sein, dass Sie einige Träume tatsächlich begraben müssen, aber bevor Sie das tun, legen Sie erst einmal alles für eine Woche beiseite.
Und dann gehen Sie die Liste noch einmal durch. Vielleicht verschieben sich einige Urteile, und Sie sehen in einer Woche Möglichkeiten, wo Sie heute mutlos sind. Vielleicht begegnen Ihnen auch „Zufälle“, die Ihre heutige Einteilung in einem anderen Licht erscheinen lassen. Und dann entscheiden Sie, welchen Wunsch Sie sich als ersten erfüllen wollen. Bewahren Sie die Liste gut auf!
Vielleicht wundern Sie sich nämlich in einigen Jahren, wie sich fast von selbst etwas erfüllte, was Ihnen heute unmöglich scheint, oder wie dann etwas ohne Bedauern „vorbei“ ist, was Sie heute mit „hoffentlich“ versehen.
Noch mehr Übungen finden Sie in meinem Ebook „Wer immer geradeaus geht, kommt nicht weit. Dem Leben eine neue Richtung geben“.
Und natürlich können Sie in einem biografischen Coaching die Frage nach Ihrer Berufung noch intensiver angehen.
Add comment 17. Juli 2009
Alte Freundschaft rostet nicht … ?
… doch, tut sie, wenn sie nicht gepflegt wird. Ganz von selbst halten Kontakte nun mal nicht. Das wissen alle, die ein Blog schreiben oder twittern. Die Aufmerksamkeit will immer wieder neu errungen werden. Für berufliche Zwecke geben wir uns also viel Mühe mit dem „Netzwerken“.
Aber wie ist das privat? Haben Sie noch Kontakt zu Menschen, mit denen Sie als Kinder gespielt haben? Kennen Sie noch Ihre ehemaligen Schulfreunde? Ihre Studienfreunde?
Ich gehöre zu den Menschen, die sehr oft in ihrem Leben umgezogen sind und immer wieder neue Freunde suchen mußten. Aber ich fühlte mich auch in einem neuen Ort, an dem ich niemanden kannte, selten völlig einsam: ich habe Freunde und Freundinnen, die ich nie aus den Augen verloren habe. Das prägt das Lebensgefühl. Und tut auch in Umbruchphasen gut. Aber das ergab sich nicht von selbst, ich mußte etwas dafür tun: Schreiben, Telefonieren, Besuche und eben in den letzten Jahren Emails schicken. Freundschaft will gepflegt und poliert werden wie alles, was lange halten soll. (Wie Liebe natürlich auch)
Der Tod jeder Freundschaft aber ist das Gegenrechnen: „letztes Mal habe ich geschrieben, jetzt ist er dran“ … “ letztes Mal habe ich sie besucht, sie kann sich ja auch mal aufraffen “ (Schnell den Gedanken wegpacken, dass der Freund Legastheniker ist und sich geniert. Schnell den Gedanken wegpacken, dass die Freundin mit ihren Knieproblemen wegen der Treppen ungern Zug fährt …).
Großzügigkeit ist das Schlüsselwort. Ich halte auch nichts von den merkwürdigen Simplify- Rezepten, beim Ausmisten auch gleich Freundschaften auszumisten. Ist mir in den letzten Jahren mal (als „Opfer“) passiert. Mit der Begründung, wir wohnten so weit auseinander, wir würden uns ja nie sehen, und so eine Beziehung sei nutzlos. Tja, wenn man bei Freundschaften eine Kosten- Nutzen- Rechnung aufstellt, ist es wohl keine. Freundschaft nämlich.
Wir hatten vor kurzem unseren jährlichen Klassen- Stammtisch im Heimatort, in dem wir zur Schule gingen. Das machen wir seit einigen Jahren immer am letzten Juni- Wochenende. Kein umständliches Klassenfest, das endlos Vorbereitung erfordert. Nein, einfach einen Tisch in der Kneipe bestellt, Uhrzeit festgelegt, Rundmail an alle. Wer kommt, kommt. Kaum Aufwand, und immer wieder nett. Teilnehmerzahl wechselnd. Und es wird nicht nur von früher gesprochen. Klar, Erinnerungen kommen natürlich auch. Aber der jetzige Alltag, Beruf, die Familien, und neuerdings das Thema Altern … und natürlich kann man mit Menschen, die man so lange kennt (und mit denen man regelmäßig Kontakt hat) auch herrlich sinnlos rumblödeln.
Im letzten Jahr hatten wir ein Wiedersehentreffen mit Studienkollegen aus dem 1. Semester. In unserem Studienort Tübingen. 40 Jahre nach Studienbeginn. Alte 68- er- Generation. Wir waren die großen Welt- Veränderer und – Verbesserer
)
Einige waren seit der Zeit befreundet geblieben, und über allerlei Querverweise und Internet- Websites waren innerhalb weniger Wochen viele Adressen zusammengekommen. Und ungefähr 30 Leute kamen zum Treffen. Ein ganzes Wochenende lang. Es war ungeheuer spannend, die Lebensgeschichten zu hören. Neben Besichtigungen und netten Programmpunkten hatten wir nämlich mehrere Runden Erzählen und Zuhören eingeplant. Nicht nach dem Motto „mein Haus, mein Boot, mein Auto“, sondern mit dem echten Interesse, wie es dem anderen in seinem Leben ergangen ist. Fortsetzung folgt schon im nächsten Jahr: Wir sind in einem Alter, wo man keine Zeit mehr verschwendet und alles auf „später mal“ verschiebt.
Aber es ist halt so: Einer muss den Anfang machen. Mit der Einstellung „Warum ich, die anderen können doch auch … “ passiert nix. Rien, niente, nada.
Machen Sie den Anfang. Es lohnt sich. Sie werden angenehm überrascht sein, welch nette Menschen aus den pickeligen Mitschülern oder klug schwätzenden Kommilitonen geworden sind. Na gut, einige sind vielleicht zum … aber die wenigen Ausnahmen verkraften Sie doch locker! Und Sie gewinnen einige neue alte Freunde.
Add comment 30. Juni 2009
Ein interessantes Schreib- Experiment
Gestern habe ich schon über Tagebuchschreiben und Realität erschaffen und über die faszinierenden Zusammenhänge von Schreiben und Synchronizität berichtet. Hier folgt nun eine konkrete Ergänzung: Zamyat Klein hat in ihrem Blog jetzt konkrete Vorschläge für das Vorgehen bei ihrem Schreib- Experiment, und ich möchte Sie ermuntern, dort mitzumachen. Hier finden Sie die Seite!
Add comment 24. Juni 2009






