Schöner Scheitern …

9. Mai 2009 at 14:24 4 Kommentare

Ich habe an Petra Schuseils Blogparade zur Kultur des Scheiterns teilgenommen. Und einen wunderbaren Preis gewonnen: ein Coaching bei Dagmar von Consolati.

Sinnigerweise hatte ich erst am Tag vorher in deren Blog einen Kommentar geschrieben zum Thema „Verändern Blogs die Wahrnehmung“ . Anlass war die Tatsache, dass Else Buschheuer, eine der Pionierinnen des Bloggens, kein Blog mehr schreiben will. Und das nun mir, die ich gerade erst anfangen wollte mit einem Blog …

Und dann gewinne ich einen Tag später. Das kann doch kein Zufall sein 🙂

Ich nehme es als Antrieb, nun endlich mit meinem Blog zu beginnen.

Hier ist also mein Beitrag zum Thema “ Eine Kultur des Scheiterns entwickeln“:

In meinem „ersten Leben“ war ich Psychotherapeutin. Da wird einem das Scheitern vertraut, denn es kommen ja Klienten, die an irgendetwas gescheitert sind und dennoch nicht aufgeben. Nun arbeite ich seit vielen Jahren als Coach, und diese Vertrautheit mit dem Thema Scheitern ist da oft hilfreich. Man glaubt ja nicht, wie verbreitet Schuldgefühle bei Klienten sind, weil sie trotz allem „Die-Dinge-Richtig-Machen“ und trotz allen positiven Affirmationen nicht den Erfolg erleben, den sie sich erhofften.

Ich habe lange in den USA gelebt, und bei allem mitreißenden Optimismus, den ich dort schätzte, geht mir dieses Marktschreierische mächtig auf die Nerven. Guckt Euch mal die Websites der Motivations- und Marketing- Gurus an: Grauselig.  (Bitte, bitte liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst uns ein bisschen von dem deutschen Tiefsinn bewahren, den man uns im Ausland gelegentlich vorwirft)

Als ich Skifahren lernte, musste ich zuerst das Fallen lernen. Das kam mir merkwürdig vor: noch kein bisschen den Berg runtergefahren, und erst mal im Stehen fallen lernen??? Der Skilehrer erklärte: Wenn Du als Anfänger völlig ungeübt losfährst, liegst Du mit Sicherheit schnell auf der Nase. Also üben wir erst, wie Du dann wieder hochkommst, denn Du willst ja auf deinen Füssen und nicht mit dem Allerwertesten weiterkommen.

Das fand ich eine wunderbare Metapher für alles, was man in Angriff nimmt: Bei aller Erfolgs- Orientierung und bei allem positiven Denken das Scheitern als völlig normal mit einzukalkulieren.

In den psychotherapeutischen Ausbildungen lernte ich dann mehrere Sätze kennen, die mich seit vielen Jahren im eigenen Leben und auch in meiner Coaching- Arbeit begleiten. Die Familientherapeutin Virginia Satir betonte immer, es gehe darum, „to turn shit into fertilizer“. Scheiße zu Dünger, ein altes landwirtschaftliches Prinzip. Wo gelebt wird, gibt es nun mal Mist 😉

Und den als Dünger zu nutzen, ist auch beim Coaching eine wunderbare Strategie.

Dann fand ich vor vielen Jahren den Satz „Wer hoch hinaus will, muss erst fallen lernen“. Erinnert ans Skifahren. Ist eben auch beim Fallschirmspringen so: Erst fallen lernen. Sehen wir doch das Fallen, das Scheitern als wichtige Kompetenz an, um den Höhenflug wagen zu können!

Und das chinesische Weisheitsbuch I Ging und das leider überstrapazierte Zeichen Yin und Yang kennen diese tiefe Weisheit auch: Es gibt kein Weiß ohne Schwarz, kein Schwarz ohne Weiß. Leben heißt Polarität (… und wer keinen Mist ausscheiden kann, stirbt !)

Wenn man Lebensläufe über längere Zeit zurückverfolgt, stellt man oft fest, dass eine Situation, die zu einem bestimmten Zeitpunkt totales Scheitern bedeutete, die Weichen stellte zu etwas besserem. (Unter anderem daher motiviere ich Menschen zum Tagebuchschreiben. Man bekommt eine gelassenere Einstellung zum vermeintlichen Scheitern)

Scheitern bedeutet in der jetzigen vielbeschworenen Krise nach aller Erfolgs- Hektik die Chance, in Ruhe innezuhalten. Aufs Wesentliche zu kommen. Dass im chinesischen Wort für „Krise“ auch das Wort „Chance“ stecken soll, stimmt übrigens so nicht. Ich habe einen kompetenten Sinologen danach gefragt.

Aber die schlichte europäische, nämlich griechische Herkunft des Wortes „Krise“ reicht ja auch: Entscheidung, entscheidende Wende.

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Entry filed under: Coaching, Familie, Hilfe annehmen, Krise, Zukunft. Tags: .

Willkommen im Blog von Elisabeth Mardorf „Wenn Du noch eine Mutter hast …“

4 Kommentare Add your own

  • 1. petraschuseil  |  27. Mai 2009 um 03:12

    Wie schön, dass Sie nun auch ein Blog haben und über die Blog-Parade rund ums Scheitern berichten und viel schöner, dass Sie mitgemacht haben und einen Preis gewonnen. Mit Dagmar von Consolati wird es sicher ein spannendes Gespräch. Viel Glück und Erfolg weiterhin. Habe Sie hier gefunden durch Ihren Newsletter, den ich mir natürlich gleich abonniert hatte. Viele sonnige Grüße aus Hongkong. Petra Schuseil … die heute am PDF zur Blog-Parade weiter arbeitet.

    Antwort
    • 2. Dr. Mardorf Elisabeth  |  28. Mai 2009 um 16:08

      Liebe Frau Schuseil,
      ich hab schon einen Blick in Ihr Werk getan. Sehr schön ist es geworden!Danke für die sonnigen Grüße, windige Grüße aus dem Norden Deutschlands zurück!

      Antwort
  • 3. Anja Kolberg  |  12. Mai 2009 um 10:34

    Liebe Elisabeth Mardorf,
    dieser Artikel ist wunderbar. Danke für die Abwechslung. Endlich auch ein Blog, in dem ich Lust habe, zu lesen!
    Weiter so!
    Anja

    Antwort

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