Da kann ich nicht gelassen bleiben: Aktion Jugendsport und Komasaufen

13. Mai 2009 at 10:11 1 Kommentar

Gelassenheit ist eine Tugend. Aber heute muss ich mal richtig aufregen:

Wir haben zwei Zeitungen abonniert. Da lese ich zum Frühstück heute auf dem Titelblatt der Süddeutschen Zeitung einen Artikel mit der Überschrift: „Werbung treibt Jugendliche zum Komasaufen“ .

Die DAK hat in einer repräsentativen Untersuchung einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Werbung für Alkohol und Alkoholkonsum bei Jugendlichen festgestellt (Über den Link oben können Sie den ganzen Artikel in der SZ lesen).  Schlimm genug.

Und dann : Aus der Lokalzeitung fällt ein mehrseitiger bunter Prospekt einer Getränkemarktkette.  Oben  groß eine Aktion angekündigt: „Aktion Jugendsport“. Die Firma  „unterstützt die Jugendabteilung Ihres Sportvereins. Mit 15 Trainigsanzügen  für nur 100 € rüsten wir Ihre Mannschaft aus „.  Zusammen mit einer Limonadenmarke. Wie nett von denen. Daneben ein Bild mit zwei Jugendlichen , die diesen Trainingsanzug tragen. Richtig, auf den Anzügen ist deutlich die Werbung für die Getränkemarktfirma aufgedruckt. Klar, marketingmäßig eine prima Aktion.

ABER: Direkt darunter sind dann etliche Bierkisten beworben, „noch mehr Highlights“ steht dazu. Im Inneren des Prospektes fällt dann  auf den Seiten, wo die genauen Modalitäten der Aktion Jugendsport beschrieben werden, der Blick erst mal auf diverse Wodka- und Kornflaschen. Zu Taschengeldpreisen („Komasaufen für 3,49 € die Flasche“ fällt mir dazu nur ein) und viele feine Trageboxen voller hochprozentiger Mini- Flaschen. Die passen ja auch noch wunderbar in die Taschen des Traininganzuges.

Ja, ja, ich bin ungerecht. Schließlich stehen ja im Prospekt auch Mineralwasser- und Limonadeflaschen. Aber eigenartig: da steht kein Hinweis auf die Aktion Jugendsport. Allerdings auf eine Aktion, wo man für Treuepunkte Prämien einer Sportartikel-Firma bekommt. Man braucht halt auch ein Feigenblatt. Das mit den Treuepunkten steht aber auch unter  den Mini-Schnapsflaschen. Erst viel saufen und dann Sportartikel kaufen. Wer´s mag …

Vermutlich ist das alles sogar unangreifbar. Den Jugendlichen wird ja nicht direkt gesagt, „Hey, Ihr seid eher unsere Zielgruppe für Bier und Wodka als für Mineralwasser“.

Aber unmoralisch darf ich das angesichts der DAK- Studie doch finden, oder?

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Entry filed under: Gelassenheit, Marketing, Moral, Werbung. Tags: , , , , .

Ein Indianer kennt keinen Schmerz? Dankbarkeit und Bitten

1 Kommentar Add your own

  • 1. Dr.Elisabeth Mardorf  |  3. Juni 2009 um 09:59

    Nachricht vom Deutschen Werberat, dem ich diesen Prospekt geschickt hatte:
    „Das werbende Unternehmen hat uns inzwischen mitgeteilt, dass die Werbemaßnahme künftig nicht mehr geschaltet wird.“
    Also, es lohnt sich, etwas zu unternehmen!

    Antwort

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