100 Jahre internationaler Frauentag

8. März 2011 at 19:38 Hinterlasse einen Kommentar

Ja, ja, ich weiß, wir sind alle so emanzipiert, wir brauchen einen solchen Tag nicht mehr (?). Aber noch 1957 bestimmte das sogenannte Gleichberechtingungsgesetz:
„Die bisherige Regelung entfällt. Die Frau ist nun berechtigt erwerbstätig zu sein, aber nur soweit das mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist. Insoweit besteht das Zustimmungserfordernis des Mannes noch fort.“ siehe Gesetzesänderungen hier

Erst 1976 (ja, Sie lesen richtig: neunzehnhundertundsechsundsiebzig) wurde die juristische Voraussetzung dafür geschaffen, dass Frauen ohne Zustimmung des Ehemannes entscheiden konnten, ob sie außerhalb des Hauses berufstätig sein wollten. (Klar, Haushalt zählte weder damals noch heute als ernst zu nehmender Beruf. Grrr! Wenn mehr Männer einen Haushalt führen würden, wäre das garantiert anders!)
Hier lesen Sie im Artikel von Britta Kanacher mehr darüber: Vereinbarkeit von Beruf und Famlie.

Und jetzt raten Sie bitte, aus welchem Jahr dieser folgende Text-Auszug stammt:
„Der im Sommer (…) im Berliner Rathause abgehaltene Internationale Frauen-Kongress, dessen ausdauernde und aufmerksame Zuhörerin die Herausgeberin war, erregte ihr lebhaftestes Interesse für die auf diesem Kongresse behandelten Fragen, die man im Allgemeinen als »Frauenfrage« bezeichnet, und der sie bisher fern stand, da sie durch Haus- und Familienpflichten sowie die thätige Mithilfe an den Berufsarbeiten ihres Gatten vollauf in Anspruch genommen war. Bis dahin war ihr die geistige Thätigkeit der Frau, wenn auch nicht unbekannt, so doch ein von ihr wenig beachtetes und gewürdigtes Gebiet. Erst auf diesem Kongresse wurde sie gewahr, wieviel Intelligenz, Wissen, Energie und zielbewusstes Streben, Eigenschaften, die man nur bei Männern zu finden gewohnt ist, auch bei Frauen vorhanden sind. Auf sie machten diese Wahrnehmungen einen um so tieferen Eindruck, als sie sich auch zu jenen Frauen zählen darf, die ihre Stellung in der Gesellschaft zumeist der eigenen Kraft und dem ernsten Streben zu danken haben.

Das oben angedeutete Interesse veranlasste sie in der Frauenlitteratur Umschau zu halten. Dabei machte sie die Wahrnehmung, dass ein riesiges Anwachsen des von der Frau und über die Frau Geschriebenen innerhalb der letzten 30 Jahre zu verzeichnen ist, dass aber ein übersichtliches, das ganze Gebiet umfassendes Nachschlagewerk, welches über die Frauenthätigkeit auf litterarischem Gebiete ein einwandfreier und zuverlässiger Wegweiser sein könnte, nirgends zu finden ist. Die verschiedenen, die gesamten Schriftsteller umfassenden Lexika, in welchen auch weibliche Autoren sich finden, sind … schon deshalb nicht zuverlässig und erschöpfend, weil eine grosse Anzahl der schreibenden Frauen, dem Vorurteil sich beugend, oder aus anderen Gründen nicht unter ihrem weiblichen Namen ihre Arbeiten der Öffentlichkeit übergeben haben und weil in denselben nur die Bücher schreibende Schriftstellerin berücksichtigt ist, die zahlreichen Frauen der Feder aber, welche als Mitarbeiterinnen von Zeitschriften aller Art, als Übersetzerinnen, Redaktricen u.s.w. eine mehr oder minder ansehnliche Stellung im Reiche der Feder einnehmen, gar keine Berücksichtigung gefunden haben. Mit der stetig zunehmenden Zahl der Frauenwerke, und mit dem Wachsen der Achtung, welche ein grosser Teil derselben selbst in der litterarischen Welt sich zu erringen vermochte, wird hoffentlich auch die Scheu schwinden, mit dem vollen Namen für das einzustehen, was man geschrieben hat.“
Der Artikel stammt aus dem Jahre 1898. Er stammt aus dem Vorwort des Lexikons Deutscher Frauen der Feder (Genaue Quellengabe: Pataky, Sophie: Lexikon deutscher Frauen der Feder Bd. 1. Berlin, 1898., S. V5-XIII13. Hier finden Sie ihn ganz abgedruckt, und das ganze Lexikon finden Sie dort auch.

„Erst auf diesem Kongresse wurde sie gewahr, wieviel Intelligenz, Wissen, Energie und zielbewusstes Streben, Eigenschaften, die man nur bei Männern zu finden gewohnt ist, auch bei Frauen vorhanden sind.“ schreibt die Autorin des Lexikons 1898. Manche Arbeitgeber sind da im Jahre 2011 auch nicht weiter. Es gibt immer noch ungleichen Lohn für gleiche Arbeit. Das zeigt, dass der internationale Frauentag leider noch nicht ganz überflüssig ist. Auch in unserem fortschrittlichen Land nicht. Und Frauen anderer Länder können von Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse nur träumen.

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Entry filed under: Beruf, Berufstätigkeit, Berufung, Bezahlung, Energie, Erfolg, Familie, Frauen, Mut, Schreiben, Vereinbarungen, Wertschätzung. Tags: , , , , .

Und nun nach den ernsten Themen etwas Poesie … Futter für den Ebook- Reader (oder auf dem Computer)

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