Schmetterlinge, Kunst und Verwandlung

14. Mai 2012 at 11:43 Hinterlasse einen Kommentar

Obwohl ich mit dem Phänomen schon so lange vertraut bin, erstaunt es mich doch immer wieder, wie bestimmte Symbole in meinem Leben auftauchen. Ich überarbeite ja mein Buch zum Thema „Richtungswechsel“, das ursprünglich im Kösel Verlag erschien. Ich will es als Ebook herausbringen, und es reizt mich, die technische Umsetzung selbst zu lernen. Wieder ein neuer Schritt in meiner Arbeit.

Das Symbol des Schmetterlings als Inbild der verschiedenen Stadien von Verwandlung zieht sich wie ein roter Faden durch das Manuskript. Es beginnt mit einem Traum:

„In der Nacht, bevor ich mit dem Schreiben dieses Buches anfing, träumte ich von einer Schmetterlingsraupe. Noch im Schlaf wusste ich, dass dies ein wichtiges Symbol war, kommentierte innerlich im Traum den Traum und wusste, dass ich träumte. Als ich wach wurde, war ich glücklich – mir erschien dieses Symbol als ein Geschenk für dieses Buch, das noch im Anfangsstadium (im Raupenstadium?) war.“

Eine alte Form stagniert, verpuppt sich, unter der starren Hülle entwickelt sich etwas Neues und Schönes. Oder: Ohne etwas Altes aufzugeben, kann sich Neues nur schwer entwickeln.

Eine andere Stelle im Manuskript handelt vom Schmetterling als Symbol der unsterblichen Seele. Trotz Tod der Materie schimmert Unsterblichkeit auf:

„Der Schmetterling ist auch ein Symbol der unsterblichen Seele. Das Wort „Psyche“, das wir für „Seele“ kennen, ist im Griechischen auch das Wort für „Schmetterling“. Auf vielen Grabsteinen ist die unsterbliche Seele als Schmetterling dargestellt. Die Schriftstellerin Luise Rinser berichtet in ihrem Buch „Kunst des Schattenspiels“, wie sie das Grab ihres verstorbenen Sohnes besuchte, neben dem mittlerweile auch ihre eigene Ruhestätte ist. Ein Schmetterling setzte sich auf den Grabstein, und sie empfand dies als einen Gruß von der Seele ihres Sohnes.

Kurze Zeit, nachdem ich diese letzten Sätze schrieb, erzählte mir ein Bekannter von einer Begebenheit bei einer Beerdigung: Auf dem Sarg ließ sich ein Schmetterling nieder, flog von dort zur Schwester des jungen Verstorbenen und umschwirrte sie. Obwohl diese bislang keinerlei spirituelle oder tiefenpsychologische Orientierung hatte, fasste sie intuitiv den Schmetterling als Gruß von der Seele ihres Bruders auf. Auch ich erlebte später zweimal in Umbruchphasen dieses Auftreten von Schmetterlingen am Grab geliebter Menschen.“

Während des gesamten Schreibprozesses beim Verfassen des ursprünglichen Manuskripts begleiteten mich Schmetterlinge, selbst im Winter.

Jetzt beim Überarbeiten, einige Jahre später, ist es Frühling. Da ist es normal, dass ich Schmetterlinge sehe. Aber berührt hat mich dann doch, dem Schmetterling noch einmal als Symbol in anderer Form zu begegnen, nämlich in der Kunst.

Ich wusste seit einiger Zeit, dass die Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer in Melle-Ostenwalde eine Ausstellung haben würde: „Leicht wie ein Mondvogel“. Mir sagte der Titel erst einmal nichts, aber ich interessierte mich für die neuen Arbeiten von Hiltrud Schäfer, über die ich vor vielen Jahren einen Artikel in der amerikanischen Zeitschrift „Fiberarts“ veröffentlicht hatte. Sie können ihn hier als pdf-Datei lesen: Schäfer Fiberarts 1998

Also fuhr ich gestern zur Eröffnung der Ausstellung, die vom Kunstverein Melle organisiert wurde. Und sah dort erst: Die Ausstellung hieß mit vollem Titel  „Leicht wie ein Mondvogel. Ein Schmetterlingsprojekt“.

Und hier begegneten mir die Schmetterlinge wieder in all ihren Stadien zwischen Ei, Verpuppung und Flügelfalter, als Symbol der Verwandlung und der unsterblichen Seele.

In verschiedenen Installationen, Skulpturen, Objekten, Künstlerbüchern nähert sich Hiltrud Schäfer allen Facetten des Schmetterlingssymbols. Besonders eindrucksvoll waren für mich die Hüllen der Verpuppung und der Schädel mit dem Schmetterling (Bild unten) … manche finden diesen Aspekt in den Arbeiten von Hiltrud Schäfer morbide und trist. Ich schätze es, wie sie das Thema Vergänglichkeit so selbstverständlich thematisiert.

Lesen Sie mehr über die Künstlerin in einem Artikel aus der Neuen Osnabrücker Zeitung

Neben aller Ernsthaftigkeit des Themas gab es noch eine amüsante Beobachtung am Rande: Als er die beiden Installationen im Garten sah, die zwei Schmetterlings-Schwärme darstellen, sagte ein Besucher zu seiner Begleitung: „Ich glaube, das linke ist Kunst, und das rechte ist vom Gärtner“.

Tja, wo verlaufen da die Linien …?

Und was sind eigentlich „Mondvögel“? Das sind Nachtfalter mit vielseitiger Gestalt. Lesen Sie hier

Besuchen Sie die Ausstellung in der wunderschönen Orangerie von Gut Ostenwalde:

Kunstverein Melle

Orangerie Gut Ostenwalde

Osnabrücker Straße 79

49324 Melle-Ostenwalde

Öffnungszeiten:  Samstag 15.00 bis 18.00 Uhr

Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr

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