Was hat der Krieg mit dem heutigen Leben zu tun? Zum Thema Kriegsenkel

25. April 2013 at 11:00 3 Kommentare

Meine Kollegin Ingrid Meyer-Legrand, deren Workshop ich hier neulich erwähnte, hat einen interessanten Blogartikel als Gast von Petra Schuseils Lebenstempo-Blog geschrieben:

Das ganz eigene Lebenstempo der Kriegenkel-Generation?

Sie schreibt darin über Menschen „zwischen Rastlosigkeit und Stillstand hin- und herpendelnd und viele fühlen sich immer wieder dazu gedrängt,  alle paar Jahre den Job hinzuschmeißen oder auch Beziehungen immer wieder zu beenden und neu zu beginnen.“

Ingrid Meyer-Legrand sieht einen Zusammenhang zwischen den Erfahrungen der Eltern (der Kriegskinder) und den Menschen, sie zwischen 1950 und den siebziger Jahren geboren wurden und gibt interessante Erklärungen.

Sie sieht aber nicht nur die Belastungen, sondern auch die Chancen und fragt:

gibt es nicht auch ein großes Potential zu entdecken? Könnte man dieses „Immer-wieder-neu-Anfangen“, diese Ruhe und Rastlosigkeit nicht ebenso gut als Kompetenz betrachten, eben flexibel mit Veränderungen umgehen zu können? Eine Kompetenz, die Kriegsenkel häufig von früh an eingeübt haben, weil bereits ihre Eltern ihr Leben von heute auf morgen neu erfinden mussten? „

Aus meinem Kommentar zu dem Artikel in Petra Schuseils Blog:

„Ich kenne einige dieser rastlosen Kriegsenkel, und allmählich dämmert mir, dass das, was ich lange als Problem sah, auch eine Fähigkeit sein kann: Die Menschen, die man gern abfällig “Lebenskünstler” nennt, sind tatsächlich welche! Sie haben die Kunst gelernt, in jeder Situation irgendwie klarzukommen, mit wenig auszukommen, sie passen sich auf ihre Weise an veränderte Lebensumstände an und finden immer wieder Wege. Sie kommen nicht in die Situation, zu jammern, wenn Stellen abgebaut werden – sie entwickeln Phantasie, um zu überleben und andere Einkommensquellen zu erschließen.
Genauer betrachtet haben sie also nicht einfach das Leid ihrer Eltern übernommen, sondern auch deren Fähigkeiten, die im Krieg und in der Nachkriegszeit gefragt waren:  sich nicht unterkriegen lassen, immer wieder neu anfangen, mit wenig klarkommen.“

Nachtrag vom 6. Mai: In Frau TV gab es einen spannenden Beitrag zu diesem Thema. Hier können Sie ausführliche Berichte lesen und einen Filmbeitrag sehen.

Sehen Sie selbst einen Zusammenhang zwischen Ihrer Weise, Ihr Leben zu gestalten und den Erfahrungen Ihrer Eltern und Großeltern?

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Entry filed under: 2013, Alltag, Beruf, Biografie, Coaching, Erinnerung, Familie, Kinder, Krieg. Tags: , , , .

„Kreativ leben mit dem Tagebuch“ jetzt auch wieder als Taschenbuch „Der Mai ist gekommen …

3 Kommentare Add your own

  • 1. Kathi Haderer  |  30. April 2013 um 18:33

    “gibt es nicht auch ein großes Potential zu entdecken? Könnte man dieses „Immer-wieder-neu-Anfangen“, diese Ruhe und Rastlosigkeit nicht ebenso gut als Kompetenz betrachten, eben flexibel mit Veränderungen umgehen zu können? Eine Kompetenz, die Kriegsenkel häufig von früh an eingeübt haben, weil bereits ihre Eltern ihr Leben von heute auf morgen neu erfinden mussten? “

    Dieser Absatz gefällt mir sehr gut, ich habe es noch nie wirklich auf eine solche Art und Weise betrachtet. Gerade meiner Generation wirft man ja vor, keine Pläne zu besitzen und ins Nichts zu leben. Es anders zu sehen, positiv, nimmt einem eine gewisse Last von den Schultern, der ich mir so gar nicht bewusst war.

    Antwort
    • 2. Dr. Mardorf Elisabeth  |  1. Mai 2013 um 19:13

      Liebe Kathi,
      genau das finde ich so wichtig, dass der Kreis durchbrichen wird, in dem die Alten den Jungen Vorwürfe machen (und diese sich selbst). Danke für den kommentar!

      Antwort
  • 3. Ingrid Meyer-Legrand  |  25. April 2013 um 19:48

    Danke für Deinen „Lebenskünstler“, liebe Elisabeth. Das ist genau der richtige Begriff für das, was einige Kriegsenkel kraftvoll praktizieren!

    Antwort

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