Archive for Juni, 2013

Namen sprechen Bände

In meinem Eintrag vom 4. Juni (Kevinismus und Chantallismus) kündigte ich an, ich würde noch einen Artikel über Namen bringen. Hier ist er. Er wurde vor einigen Jahren in einer Zeitschrift veröffentlicht.

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Jeder Mensch hat einen Namen, und wenn er Glück hat, gefällt ihm dieser Name, den er sich nicht aussuchen konnte. Der Name verbindet uns mit der Familie und der Zeit, in der wir leben.

Heißen Sie Romy? Oder Adolf? Oder Jacqueline? Wissen Sie, warum Ihre Eltern Sie so nannten? Romys Mutter schwärmte in den fünfziger Jahren von einem Filmstar, Adolfs Eltern waren etliche Jahre früher Anhänger von Hitler, und Jacquelines Mutter träumte in den sechziger Jahren vom Glanz besserer amerikanischer Kreise.

Vielleicht kennen Sie einen Waldemar Klausmüller junior. Waldemar ist jetzt 25, und er leidet sehr darunter, daß sein Vater aus Firmengründen auf diesem Namen bestand. Er soll einmal die Firma übernehmen, und so ist mit seinem Namen der Auftrag verbunden, die Familientradition aufrecht zu erhalten. Damit ist seine Freiheit, sich einen anderen Beruf zu wählen, eingeschränkt, und die Erwartungen an ihn („mach unserem Name keine Schande!“) überschatteten die ganze Jugendzeit.

Oder kennen Sie eine Mirjam?  Mirjams Eltern folgten einem Trend der siebziger Jahre, der besonders in grünen Akademikerkreisen verbreitet war. Im Freundeskreis von Mirjam finden sich vermutlich einige Annas, Katharinas, mehrere Johannes, vielleicht noch einige Jonas und einige Florians.

Und was glauben Sie, wie alt Friedrich Wilhelm ist? Wann ungefähr wurde wohl Antonia Josefine geboren?

So sehr Eltern auch versuchen, ihrem Kind mit dem Namen Einzigartigkeit zu geben – Namen sind eingebettet in Traditionen und auch wechselnde Moden, in die Lebensweise und Träume der Eltern, ja sogar in Landschaften. Würde ein Xaver in den Taunus passen? Ein Name kennzeichnet einen Menschen, aber er verbindet immer auch das Individuelle mit dem umgebenden Gefüge.

Im religiösen Kontext ist die Namensgebung mit dem Ritual der Taufe verbunden, in dem der junge „Erdenbürger“ in der Gemeinde und Familie willkommen geheißen wird. Für andere wichtige kirchliche Rituale wurde ein weltlicher Ersatz gefunden: für die Hochzeit die standesamtliche Trauung, für die Beerdigung die Trauerfeier im Bestattungsinstitut. Aber für die Taufe, in der das Kind eine unverwechselbare  Identität und die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde gleichzeitig bekommt, gibt es keinen Ersatz. Die Anmeldung beim Standesamt ist lediglich ein Verwaltungsakt, kein Ritual.

Namensänderungen wiederum zeigen den Wechsel der Identität und Zugehörigkeit an: sei es bei der Heirat, sei es bei Eintritt in einen Orden, sei es bei einer psychischen Entwicklung, die durch einen Namenswechsel kundgetan wird. Meine alte Freundin Ingrid ist Buddhistin geworden und trägt jetzt einen unaussprechlichen Namen, den ich immer vergesse. Für meine Freundin Renate wiederum mußte ich selbst einen anderen Namen finden, weil sie den gleichen Namen trägt wie eine Frau, die mir lange das Leben zur Hölle machte. Seitdem kann ich diesen Namen nicht ausstehen. Gottseidank findet meine Freundin ihren Kosenamen „Nini“ schön.

Spitznamen oder Kosenamen werden aber oft ungefragt dem Betreffenden von außen aufgedrängt und können zum „eigentlichen“ Namen werden, mit dem der Betreffende dann gar nicht einverstanden ist. Sie bleiben einem oft lebenslang (lebenslänglich?) erhalten. Meine Schulfreunde heißen heute noch „Niete“, “Pippi“ und „Eber“.  Und heute erinnerte mich ein alter Schulfreund in seiner Mail an meinen früheren Spitznamen, den ich schon vergessen hatte. Nein, den verrate ich jetzt nicht!

Dass Sie sich in Ihrem Namen Zuhause fühlen, das wünscht Ihnen Ihre

Elisabeth Maria Mardorf, benannt nach den beiden Großmüttern, heute auch genannt Lisa, Lila, Lisabeth,Lieschen

27. Juni 2013 at 14:47

„Neues aus der Anstalt“ zum Fall Mollath

Gestern erklärte Erwin Pelzig in „Neues aus der Anstalt“ sehr klug, bissig und witzig die verstrickten Zusammenhänge, wie in diesem unserem Lande jemand in der Psychiatrie landen kann. Unbedingt in der Mediathek ansehen! Beginn ungefähr bei 10.00.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/508#/beitrag/video/1929902/Neues-aus-der-Anstalt-vom-25-Juni-2013

Weitere Informationen stehen in meinem  früheren Blog-Beitrag

26. Juni 2013 at 10:50

Briefe schreiben: Handschriftliches ist ein Schatz für Ihre Lieben!

Neulich sprachen wir mit Freunden über Briefe, die sie beim Aufräumen fanden. Briefe der Eltern, Liebesbriefe von Verflossenen, Briefe während der Studienzeit von der besten Freundin. Sobald man die vertraute Handschrift sieht, werden die Erinnerungen lebendig.

Den Freunden fiel auf, dass ihre Kinder kaum etwas Handschriftliches von ihnen mehr haben würden, auch kaum noch Fotoalben mit „richtigen“ Fotos, so wie sie sie aus ihrer Kindheit und Jugend hatten. Heute ist ja fast alles virtuell.

Ich habe vor Jahren, als meine Eltern den Dachboden ausräumten, den Schatz von alten Negativen bekommen und von allen gedruckte Abzüge machen lassen. Einige Fotos kannte ich, etliche aber nicht, denn Fotografieren war ja früher teuer, und die Verwandten, die weit weg lebten, bekamen regelmäßig Fotos geschickt.

Als meine Mutter noch lebte, haben wir bei ihren Besuchen immer begeistert diese alten Fotos gemeinsam angesehen, und ich notierte daneben, was sie zu den einzelnen Personen zu erzählen wusste. Es waren intensive schöne Momente.

Da wir in unserer fünfköpfigen Familie früher alle viel unterwegs waren, gab es eine ausgefeilte „Zettelkultur“, in der wir uns gegenseitig Nachrichten hinterließen, wo wir gerade waren und wann wir ungefähr wiederkämen.

Wenn heute so ein Zettel in der vertrauten Handschrift auftaucht, ist das wie eine Zeitmaschine. Am Wochenende fand ich bei meinen Näh-Utensilien ein Zellophantütchen mit einem Knopf darin. Dazu ein Zettel in der Handschrift meiner Mutter: „Elisabeths graue Bluse?“.  Ja, es war ein Knopf von einer meiner Blusen. Ich war sehr gerührt.

Auch wenn ich begeistert von Email und Digitalfotografie bin, ich pflege bewusst auch das handschriftliche Schreiben. Ich schreibe gern noch Briefe mit der Hand, auch mit Füller.

Kluge und bewegende Gedanken über das Briefeschreiben und das Hinterlassen von handschriftlichen Botschaften zusätzlich zum Emailen zeigt das folgende Video. Sie können unten in der Leiste die Sprache einstellen, dann sehen Sie die deutschen Untertitel.

Und für die von Ihnen, die gerne etwas Handschftliches von ihren noch lebenden Eltern hätten oder selbst gern ihren Kindern etwas Handschriftliches hinterlassen wollen, gibt es ja ab 1. Juli die Neuauflage meines Buchs „Spaziergang durch das Leben“. Als Taschenbuch zum Hineinschreiben und als Ebook mit Fragen, die sich in einem separaten Notizbuch beantworten lassen.

24. Juni 2013 at 11:29

Rosen überall

Am Wochenende war hier in Bad Essen auf Schloss Ippenburg wieder das Gartenfestival, in diesem Jahr mit dem Thema Rosen. Wir haben hier in unserem Garten unser eigenes Rosenfestival.

Rosen blauer Himmel m.W._1024x768

Rosenbogen m.W._582x768

Ganz besonders liebe ich die Rose de Resht mit ihrem wunderbaren Duft, den ich am liebsten in den Winter retten möchte.

Rose de Resht m.W.

Und genau das habe ich in den letzten Tagen gemacht: mit Rosenmarmelade. Das geht ganz einfach, schmeckt herrlich (nicht nur zu Brotaufstrich, auch zu Ziegenkäse) und duftet über Monate.

Das wollen Sie auch, bevor die Rosen verblühen? Ganz einfach:

Ungespritzte duftende Rosen morgens pflücken (keine gute Idee, das im Park zu tun!). Nur frische Blätter, keine angewelkten!

Die Rosenblätter abschütteln, auf Insekten überprüfen (Blattläuse mögen zwar Protein liefern, haben aber nichts in Marmelade zu suchen). Dann die Blätter abzupfen.

1 Liter Wasser abmessen. Die Hälfte davon zusammen mit drei bis vier Handvoll Rosenblättern mit dem Pürierstab oder Mixer pürieren.

Das restliche Wasser zufügen, Saft von 1-2 Zitronen, 1 kg. Gelierzucker dazu.

Und jetzt zubereiten wie auf der Zuckerpackung angegeben.

Und so sieht das Ergebnis aus:

Rosenmarmelade Gläser

Ein Etikett bekommen die Gläser noch. Mit Foto von ihren eigenen Rosen.

Genießen Sie den Sommer!

23. Juni 2013 at 19:20

„Spaziergang durch das Leben“ bald als Ebook und neues Taschenbuch

Im Juli wird es mein Buch „Spaziergang durch das Leben“ preiswerter als bisher als Kindle-Ebook und als CreateSpace Taschenbuch geben. Im Moment überarbeite ich es noch. Anhand von gezielten Fragen aus verschiedenen Lebensbereichen können Sie eine Art Autobiografie schreiben. Sie können es auch (als Taschenbuch) mit einem schönen Notizbuch verschenken, und zwar in jedem Alter. Je früher man anfängt, seine Erinnerungen aufzuschreiben, desto lebendiger sind sie später.

Memoiren schon mit 25 schreiben? Ist das nicht lächerlich? Neee, ist es nicht. Ich bekomme so oft Leserbriefe, in denen man mir schreibt „ach schade, dass ich nicht eher mit dem Tagebuchschreiben begonnen habe“.
Mit diesem Buch können Sie sozusagen das Tagebuchschreiben nachholen und die jetzt noch frischen Erinnerungen für später festhalten.
Wenn Sie  älter sind, werden Sie staunen, wie schnell Ihre Erinnerungen bei so konkreten Fragen aus den grauen verstaubten Ecken des Gehirn wieder bunt werden!

Interessant ist es aber auch, die eigenen Eltern oder andere Verwandte zu bitten, die Fragen schriftlich zu beantworten. Und wenn denen das zu kompliziert ist, kann man anhand der Fragen wunderbar ein lockeres Interview mit ihnen führen und aufnehmen. Sie werden staunen, wie plötzlich die Erinnerungen nur so sprudeln, je konkreter Sie fragen! Ich habe solche Interviews über einen längeren Zeitraum mit meinem Vater geführt, und es waren interessante und schöne Gespräche, aus denen ich sogar ein Buch für die Familie machen konnte. Wenn man sich sonst so oft im Rahmen der Familie oder auf Geburtstagen sieht, kommt solcher intensiver Austausch zu kurz.

So sieht das Buch bisher aus:

Spaziergang-cover-gif

Auf meiner Website sehen Sie in der rechten Spalte eine Beispielseite (anklicken, dann öffnet sich eine pdf-Datei).

Sobald das neue Cover fertig ist, stelle ich es hier vor.

22. Juni 2013 at 18:10

„Skandalöse Entscheidung“ im Fall Gustl Mollath

„Skandalöse Entscheidung“, so titelt die Süddeutsche Zeitung ihren heutigen Kommentar im Fall des seit Jahren in der Psychiatrie festsitzenden Gustl Mollath. Ich habe jahrelang als Psychotherapeutin gearbeitet, habe eine Diplomarbeit über psychiatrische Krankenhäuser  geschrieben, und seitdem ist einiges in der Psychiatrie-Reform passiert. Die bayrischen Psychiatie- und Jusitzmühlen sind aber im Fall Mollath gelinde gesagt merkwürdig gelaufen.  Zur aktuellen Situation krass gefragt: Wegen seiner eigenen psychischen Belastung sieht sich der Gutachter  nicht imstande, ein neues Gutachten zu erstellen? Gibt es keine anderen Gutachter, wenn der eine ausfällt?

Die „Zirkelschlüsse“, aufgrund deren Gustl Mollath in der Psychiatrie bleiben muss, erinnern mich an die berühmte „Rosenhan Studie“, bei der psychisch gesunde Menschen sich freiwillig in die Psychiatrie einweisen ließen und sich fortan dort normal und kooperativ zeigten. (Titel der Studie: „On being sane in insane places“ ). Ist man einmal drin, wird alles, was man sagt und tut, mit der Brille „psychisch krank“ gesehen, klassische Merkmale der Self-Fulfilling Pophecy können sich einstellen. Unter diesen schwierigen Bedingungen spricht es sehr für die erstaunliche psychische Stabilität von Gustl Mollath, wie er sich dem Untersuchungsausschuss und den Medien präsentieren konnte.

Ich kenne ihn nicht persönlich und kann nicht über die Taten urteilen, die ihm vorgeworfen werden. Aber dass hier einem Menschen Unrecht geschieht, wird deutlich, wenn man die Informationen ansieht, die engagierte Journalisten und ein Unterstützerkreis zusammengetragen haben.

Wenn Sie sich engagieren möchten, können Sie das hier tun oder hier .

Bitte teilen sie das Link zu diesem Artikel oder die hier genannten Links mit möglichst vielen Menschen.

Ich will einfach die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir in einem Rechtsstaat wohnen.

13. Juni 2013 at 12:25

12. Juni: Tag des Tagebuches

In jedem Jahr ist der 12. Juni der Tag des Tagebuches. Damit soll ermuntert werden, selbst Tagebuch zu schreiben, Erlebnisse festzuhalten, sich Gedanken zu machen, Pläne zu schmieden, Lösungen für Probleme zu finden.

Der 12. Juli wurde gewählt, weil dies der Geburtstag von Anne Frank ist, die zu diesem Tag ein Tagebuch geschenkt bekam. In einem früheren Blogbeitrag habe ich darüber ausführlicher geschrieben.

Wenn Sie in der Gegend von Freiburg – Emmendingen leben, können Sie sich den ganzen Tag im Tagebucharchiv über die interessanten Aspekte des Tagebuchschreibens informieren. Das Team des Tagebucharchivs hat ein schönes Programm entwickelt. Nach dem Tag der offenen Tür, Führungen und einem Info-Stand am Rathaus in Emmendingen gibt es abends eine Lesung. Mehr Informationen finden sie auf der Website des Tagebucharchivs.

Wenn Sie in Nordrhein-Westfalen leben, werden Sie im Radio fündig:

Radio NRW Oberhausen bringt in seinem Programm verstreut über den ganzen Tag Beiträge zum Thema. Um 9.45 Uhr wird ein Interview zu hören sein, das Jennifer Hansen mit mir führte.

Radio Antenne Wiesbaden hat mich auch über den Nutzen des Tagebuchschreibens interviewt. Wann dieser Beitrag gesendet wird, erfahre ich noch. Auf jeden Fall wird er später hier als mp3 hörbar sein.

Ich möchte Ihnen noch die Seiten über Anne Frank vorstellen, die liebevoll und mit vielen Aspekten das Tagebuchschreiben beleuchten. Vor allem kann man dort auch einiges darüber erfahren, wie Tagebuchschreiben eine Vorstufe schriftstellerischer Tätigkeit sein kann.

Tja, und wenn sie selbst schon länger denken „Ich möchte auch mal mit dem Tagebuchschreiben anfangen“, dann hätte ich einen Tipp für Sie 😉

Als Ebook können Sie das Buch sofort lesen, als Taschenbuch ist es in ein  bis drei Tagen bei Ihnen.

Cover Tagebuch für Werbung

Weitere Interviews und Artikel zum Thema Tagebuchschreiben finden Sie auf meiner Website

11. Juni 2013 at 19:13

Nach dem Kevinismus nun der Chantallismus

Vor Jahren waren die Kevins das große Thema. Jan Weiler schrieb einen köstlichen Artikel darüber: „Volkskrankheit Kevinismus“ und die mehrteiligen Vornamen. Auch über den „Emilismus“ von intellektuellen Eltern  machte er kluge Bemerkungen. Der Kevinismus ist übrigens eine männliche Form der überspannten Namensgebung, der Chantallismus die weibliche.

Tja, und jetzt ist also der Chantallismus auf dem Vormarsch (Was sagt uns das?). Auf der Bestsellerliste auf Platz 1 : „Schantall, tu ma die Omma winken“. Im Internet macht der „Chantalisator“ Furore, in dem man den eigenen Namen eingeben und verwandeln lassen kann. Hab ich natürlich auch probiert.

Die Kombination von chantalisertem Vornamen und pädagogischem Fortschritt erlebten wir vor Jahren auf einem Campingplatz. Dreijährige Tochter ist eifersüchtig auf den kleinen Baby-Bruder. O-Ton Mutter: „Jacqueline (sprich< Schakkeline>), Du sollst doch das Baby nicht so fest beißen, es blutet ja schon!“

Tja, und beim Wochenend-Ausflug sah ich dann dieses herrliche Boot im Wasser liegen (bitte Bild anklicken, dann verstehen Sie, was ich meine):

Dat Chantalle m.W.

Ich nehme an, da hatte jemand Humor. Ohne Ironie stünde da wahrscheinlich schlicht „Chantal“.

Wie einfach war das früher mit der Namensgebung! Der erste Vorname war entweder der von Oma oder Opa der einen Seite, der zweite der der anderen Familienseite. Oder Onkel bzw. Tante wurden Taufpaten, und das ergab den zweiten Namen, der aber nur für den Personalausweis war und selten der Rufname wurde.

Wobei ich durchaus fremdländische Namen eine Bereicherung finde. Mein Vater hieß Dragutin, das war in seinem Heimatland ein normaler Name. Ich würde auch nie von einer türkischen, syrischen, kurdischen, nigerianischen, vietnamesischen oder italienischen Famile erwarten, sie solle ihr Kind Helga oder Norbert nennen. Aber dieses krampfhafte Besonders-Sein-Wollen, das finde ich … krampfig.

Darüber, dass Namen aber schon immer Geschichte oder Moden oder Elternvorlieben widerspiegelten, schreibe ich ein anderes Mal.

Für heute grüßt Sie herzlich Ihre chantalisierte

Liberty-Madison Mardorf

4. Juni 2013 at 11:33

Optimismus hilft dann doch nicht immer …

Also, mein letzter Blog-Beitrag kann nicht so unkommentiert stehenblieben, wenn mittlerweile fast ganz Süddeutschland im Wasser versinkt. Nein, das ist nicht mehr lustig, und Optimismus hilft nicht wirklich.
Ich habe Überschwemmungen erlebt, ich lebte lange an der Ems, am Neckar, am Kocher und an der Jagst. Ich erinnere mich an Erzählungen meiner Mutter, wie der Marktplatz in Lingen kurz nach dem Krieg unter Wasser stand. Ich erinnere mich, wie mein Vater in meiner Kindheit nachts mit allen Männern des Dorfes zum Sandsäcke-Schleppen abkommandiert wurde.
Am Kocher lebten wir in den achtziger Jahren in der Nähe der Kocher-Auen und verstanden, warum früher neben den Flüssen ein breiter Streifen nicht bebaut wurde. Dass ein kleiner Fluss so einen riesigen See bilden konnte!
Später wunderten wir uns, dass mittlerweile genau im Überschwemmungsgebiet eine neue Siedlung entstand. Ich brauche nicht viel Phantasie, um mir vorzustellen, wie es jetzt dort aussieht.
Das schlimmste Hochwasser erlebte ich im Dezember 1993, als unser damaliger Wohnort Möckmühl und die angrenzenden Orte unter Wasser standen. Der Zusammenfluss von Jagst und Seckach hatte ein riesiges Gebiet überflutet.
Ich versorgte über Feldwege vom Berg aus eine Freundin, die mit einem Säugling eingeschlossen war, mit Essen und Kerzen (der Strom war natürlich auch ausgefallen, und die meisten Straßen waren gesperrt). Sie wollte aber zu Hause bleiben. Das war noch vor den Zeiten des Handies, ihr Mann war im Ausland auf Reisen, und er hätte sich große Sorgen gemacht, wenn er zu Hause anriefe und sie sei nicht da. (Damals funktionierten die schlichten Telefonleitungen noch ohne Stromzufuhr. Nicht alles, was wir seitdem an technischem Fortschritt haben, ist hilfreich …heute mit Internet- Telefonie und Telefon-Anlagen wird in den Überschwemmungsgebieten auch kaum noch ein Telefon funktionieren)
Später nach dem Abfluss des Wassers half ich beim Aufräumen. Bis dahin war mir nicht klar, dass es nicht nur die Nässe ist, die die Folgen eines Hochwassers so unerträglich macht. Es ist der unsägliche Dreck, der puderfeine Schlammsand, der sich in alle Ritzen setzt und wiederum nur mit Unmengen von Wasser wegzuspülen ist. Und dann folgt der Papierkrieg mit den Versicherungen, die bei wiederholtem Hochwasser Bedingungen stellen.
Meine Gedanken gehen an die vielen, die durch Hochwasser betroffen sind.

3. Juni 2013 at 11:10


Richtungswechsel Ebook und Taschenbuch

Tagebuch

Zufall/ Synchronizität

Das kann doch kein Zufall sein - als Taschenbuch und jetzt als Ebook

Spaziergang als Ebook

Schreiben Sie Ihre Biografie oder interviewen Sie Ihre Verwandten!

Spaziergang als TaBu

Auch ein schönes Geschenk!
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