Nach dem Kevinismus nun der Chantallismus

4. Juni 2013 at 11:33 1 Kommentar

Vor Jahren waren die Kevins das große Thema. Jan Weiler schrieb einen köstlichen Artikel darüber: „Volkskrankheit Kevinismus“ und die mehrteiligen Vornamen. Auch über den „Emilismus“ von intellektuellen Eltern  machte er kluge Bemerkungen. Der Kevinismus ist übrigens eine männliche Form der überspannten Namensgebung, der Chantallismus die weibliche.

Tja, und jetzt ist also der Chantallismus auf dem Vormarsch (Was sagt uns das?). Auf der Bestsellerliste auf Platz 1 : „Schantall, tu ma die Omma winken“. Im Internet macht der „Chantalisator“ Furore, in dem man den eigenen Namen eingeben und verwandeln lassen kann. Hab ich natürlich auch probiert.

Die Kombination von chantalisertem Vornamen und pädagogischem Fortschritt erlebten wir vor Jahren auf einem Campingplatz. Dreijährige Tochter ist eifersüchtig auf den kleinen Baby-Bruder. O-Ton Mutter: „Jacqueline (sprich< Schakkeline>), Du sollst doch das Baby nicht so fest beißen, es blutet ja schon!“

Tja, und beim Wochenend-Ausflug sah ich dann dieses herrliche Boot im Wasser liegen (bitte Bild anklicken, dann verstehen Sie, was ich meine):

Dat Chantalle m.W.

Ich nehme an, da hatte jemand Humor. Ohne Ironie stünde da wahrscheinlich schlicht „Chantal“.

Wie einfach war das früher mit der Namensgebung! Der erste Vorname war entweder der von Oma oder Opa der einen Seite, der zweite der der anderen Familienseite. Oder Onkel bzw. Tante wurden Taufpaten, und das ergab den zweiten Namen, der aber nur für den Personalausweis war und selten der Rufname wurde.

Wobei ich durchaus fremdländische Namen eine Bereicherung finde. Mein Vater hieß Dragutin, das war in seinem Heimatland ein normaler Name. Ich würde auch nie von einer türkischen, syrischen, kurdischen, nigerianischen, vietnamesischen oder italienischen Famile erwarten, sie solle ihr Kind Helga oder Norbert nennen. Aber dieses krampfhafte Besonders-Sein-Wollen, das finde ich … krampfig.

Darüber, dass Namen aber schon immer Geschichte oder Moden oder Elternvorlieben widerspiegelten, schreibe ich ein anderes Mal.

Für heute grüßt Sie herzlich Ihre chantalisierte

Liberty-Madison Mardorf

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Optimismus hilft dann doch nicht immer … 12. Juni: Tag des Tagebuches

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