Klinik im Kloster in Barth – eine verrückte Ausstellung

3. Oktober 2013 at 19:15 Hinterlasse einen Kommentar

Vor einigen Wochen sahen wir in Barth an der Ostsee eine hinreißende Ausstellung. Wenn Sie meinen, Sie hätten in der Kunst schon alles Wesentliche gesehen, sollten Sie wenigstens diese eine Ausstellung noch auf Ihren Plan setzen. Textilkunst soll das sein? Naja, Frauenkram mit Nadeln. Environment soll das sein? Viel zu naturalistisch. Szenerien in mehreren Räumen? Sicher viel gebastelt.

Werfen Sie Ihre Vorurteile über Bord und wagen Sie den Eintritt in eine völlig verrückte Welt. Das Vineta Museum Barth präsentiert im Adligen Fräuleinstift die Ausstellung von Stefanie Alraune Siebert, die in 32 Jahren eine unglaubliche Fülle an Lebenswelten und Figuren aus Stoff gestaltet hat. Kaufen Sie an der Kasse den Katalog, damit Sie in dieser verrückten Umgebung wenigstens ein bisschen verstehen.

Im Wartezimmer begrüßt Sie eine merkwürdige Patientenschar.

Wartezimmer

Unser aller Angie leidet unter Angina.

Angie hat Angina_800x600

Ein Mensch, der für meine Augen wie Leonhard Cohen aussieht, hält sich für den alten Fritz, und Miss Marple hat Herzprobleme. Bei Fräulein Fitz ist unerklärlicherweise ein Bart gewachsen.

Der alte Fritz und Miss Marple

Auf der anderen Seite ist noch Platz für neue Patienten.

ein neuer Patient wartet_800x600

Damit sie sich nicht langweilen, ist dort eine Fühltafel aufgebaut, damit der Drang, alles anzufassen, in kontrollierbare Bahnen gelenkt wird. Stellen Sie sich vor, 20000 Klinikbesucher würden ihre Spuren überall hinterlassen!

Bitte anfassen

Fühl-Tafel. Bitte anfassen

Auf dem Streifzug durch die Klinik sehen wir den Chefarzt Prof. Dr. Müller-Krombach, der sich mit Schwester Loretta Affenbichler vergnügt. Die Gattin wartet schon mit dem Messer hinter dem Vorhang. Da wird Miss Marple noch viel zu tun bekommen!

Prof.Dr.Müller-Krombach mit Schwester und Gattin

In einer Abteilung werden Dackelhaare transplantiert oder Botox-Spritzen verpasst. Auch kann man das Atelier von Alraune bestaunen, in dem alles aus allerfeinsten Stoffen ist, selbst die Nähmaschine.

Alraunes Näh-Atelier

Im Speisesaal fühlt man sich in Thomas Mann´s Zauberberg versetzt. Hier speisen die Patienten, die nicht bettlägerig sind, und das Klinikpersonal.

Speisesaal

Der Zuschauer kommt aus dem Staunen nicht heraus über das opulente Buffet, an dem jede Auster eine Perle enthält, die Begleitmusik an Piano und Akkordeon und über die Sėance , bei der sogar ins Jenseits telefoniert werden kann.

Buffet

Austern

Seance

Unglaublich, was Stefanie Alraune Siebert geschaffen hat. Ein Lebenswerk mit der Nadel, in feinsten Details und in einer Ausdruckskraft, die nicht nur über ihr perfektes Handwerk Auskunft gibt. Jede einzelne Figur hat einen eigenen Charakter, selbst die Fische auf dem Buffet. Und der skurrile bis makabre Humor, mit dem sie ihre Szenerien entwickelt, zeugt  von tiefer Kenntnis menschlicher  Schwächen,  Eitelkeiten und Verrückheiten. Ich konnte mich nicht satt-sehen. Als Frau, die selbst nähbegeistert ist und sich schon viel mit Textilkunst befasst hat, habe ich großen Respekt vor der Leistung dieser Künstlerin.

Sie können die Ausstellung noch bis zum 31. Oktober 2013 sehen. Details hier.

Und wenn Sie es in Barth nicht mehr schaffen: Stefanie Alraune Siebert hat in Haigerloch bei Tübingen seit neuestem ein eigenes Museum. Hier lesen Sie mehr darüber

Die Website der Künstlerin mit allen aktuellen Informationen finden Sie hier.

Danke für die Genehmigung, die Fotos hier in meinem Blog zu zeigen!

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Entry filed under: 2013, Kunst, Tübingen.

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