Altpapier und Papier-Fetischismus

20. Januar 2014 at 18:43 2 Kommentare

Alle zwei Wochen wird bei uns die grüne Tonne geleert. Jedes Mal bin ich erstaunt, wie viel Papier in so einem Zwei-Personen-Haushalt anfällt. Zwei Tageszeitungen haben wir abonniert, jetzt im Winter wird täglich eine beim Kaminofen-Anzünden verbraucht. Zum Frühstück ist eine Online-Zeitung einfach nicht so gemütlich. Zeitschriften gebe ich gern an Freundinnen weiter, aber es sammelt sich immer noch genug an.

Werbeblättchen und Kataloge scheinen sich magisch zu vervielfältigen (gleichgültig, wie oft man sie abbestellt hat – das Löschen von Adressen scheint eine der ungeliebtesten Tätigkeiten in der Industrie zu sein).

Als Landbewohner bestellen wir einiges per Katalog, statt 60 km hin und zurück in die nächste größere Stadt zu fahren. Ergebnis: Wir landen in vielen Adressverzeichnissen. Die Robinson-Liste ist reine Makulatur. Unerwünschte Werbepost zurückzuschicken mit dem Vermerk „Annahme verweigert“ in der Hoffnung, damit sei die Werbeflut eingedämmt, bringt übrigens auch nichts. Bei der Post sagte man mir mal, das käme auch bei ihnen gleich in den Papierkorb. Das könne ich doch zu Hause auch machen.

Unglaublich, wie viele Umschläge von irgendwelcher offizieller Post sich jede Woche sammeln (heute : Gemeinde wg. Hundesteuer und überflüssigen Infos für Hundehalter, die seit fast 30 Jahren Wuffis lieben, Krankenversicherung, Telekom).

Private Briefe zu schreddern fällt mir sehr schwer (ja, ich bekomme tatsächlich noch „richtige“ Briefe und schreibe auch welche), aber nach ein paar Jahren muss auch das manchmal sein. Aber warum sammeln sich überhaupt so viele Papiere jenseits von Zeitungen bei uns an?

Ja, ich gestehe es: Ich gehöre immer noch zu den Papier-Fetischisten. Daran hat auch meine Begeisterung für digitale Medien, Notebook, Tablet, Emails, Blog, Ebooks nichts ändern können. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon zu oft erlebt habe, wie durch die Fortschritte in eben diesen Techniken Daten nicht mehr lesbar waren. Der Weg von Floppy Disk über Diskette zu CDs und DVDs und USB-Sticks war gepflastert mit Datenverlusten, wenn ich nicht rechtzeitig alles konvertierte. Deshalb drucke ich vieles immer noch aus, auch wenn ich natürlich Clouds benutze.

Und trotz eifriger Erstellung von digitalen Fotoalben und sorgfältig geordneten Fotos im Notebook – es geht doch nichts über einen gemütlichen Nachmittag mit dem Durchblättern echter angegilbter Alben! Oder mit dem Lesen der Liebesbriefe aus früheren Jahren. Ehrlich, da bedaure ich die jungen Leute, die vielleicht nur über SMS und Social Media kommunizieren. What´s App-Nachrichten lassen sich in 10 Jahren vermutlich nicht mehr lesen, und ob die Enkel sich dereinst über die Handy-Fotos aus den jungen Jahren von Oma und Opa noch amüsieren können, bezweifle ich.  Meine älteste Freundin und ich schreiben uns auch nach über 50 Jahren noch regelmäßig richtige Briefe. Ihre vertraute Handschrift auf dem Umschlag wärmt mein Herz, noch ehe ich den Brief gelesen habe. Wenn ich die Handschriften meiner Eltern in alten Briefen oder Glückwunschkarten sehe, sind sie innerlich nah bei mir. Obwohl wir Hunderte von Emails austauschten, solange sie noch lebten, bedeuten mir die „echt“ geschriebenen Briefe und Notizen mehr.

Auf die vielen Aktenordner mit „offiziellem Gedöns“ – auf die könnte ich aber gut verzichten! Deshalb wird da immer wieder gründlich ausgemistet und mit Wonne geschreddert. Aber das Gefühl, dass das Leben immer mehr von komplexen Verwaltungsvorgängen überlastet ist, das bleibt. Wie geht es Ihnen da?

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Noch ein Tipp für einen Glücks-Vorrat: Das Erinnerungs-Glas Schnee und Poesiealbum

2 Kommentare Add your own

  • 1. Christa  |  27. Januar 2014 um 10:36

    Hallo, Elisabeth,

    die Bücher habe ich peu á pau etwas ausgedünnt, aber es sind noch genügend vorhanden, um mein Wohnzimmer wohnlicher zu machen. Inzwischen gibt es aber nur noch einen einzigen Menschen, der mir Briefe mit der Hand schreiben würde, und der hat keinen PC. Die Hochglanzfotos habe ich alle noch, die Dias habe ich scannen lassen. Digitale Fotos mache ich viel zu viele, die sind schneller gelöscht, als ich Papierfotos aussortieren würde.

    Herzlichst
    Christa

    Antwort
  • 2. Hans  |  21. Januar 2014 um 16:00

    Mittlerweile landet sehr viel offizielles in der privaten Cloud aber die wichtigen Dinge wie Fotos im Album oder ECHTE Bücher bleiben 🙂

    Antwort

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