Schnee und Poesiealbum

27. Januar 2014 at 12:03 Hinterlasse einen Kommentar

Der Schnee ist da, mittlerweile leicht angetaut, und ich erinnere mich an meinen Schulweg zur Grundschule, damals noch „Volksschule“ genannt : Da tippelten wir mit unseren Lederschühchen oder Gummistiefelchen vorsichtig über 30-40 cm hohen Schnee quer über die Felder neben der Straße. Die Straße war ja geräumt, das war langweilig. Besonders toll war es, wenn der Schnee daneben leicht angetaut und wieder gefroren war, dann war das eine feste, aber fragile Fläche. Wer einbrach, hatte „verloren“.

Ich holte immer meine gleichaltrige Cousine ab, sie wohnte direkt an meinem Schulweg. Wir waren wie Schwestern, sahen uns als Erwachsene seltener und später wieder regelmäßiger. Und dann starb sie, noch keine fünfzig Jahre alt.

Ich habe noch mein Poesiealbum aus dieser Zeit, und besonders wichtig ist mir, was sie mir darin schrieb:

Poesiealbum Schule

Bei ihrem Poesie-Album-Eintrag denke ich, dass das Wort „sich verewigen“ , das so oft ironisch gebraucht wird, wirklich ein schönes Wort ist.

So finde ich auch heute den Eintrag meiner schon vor vierzig Jahren verstorbenen Oma ganz rührend, ihre vertraute Handschrift, die noch Sütterlin-geprägt ist. Allerdings konnte ich damals mit dem Spruch nichts anfangen – als Neunjährige hatte ich keine Ahnung, was das wohl bedeuten sollte, „Halt rein die Hand“ … so wie ich zur gleichen Zeit  bei den Beichtvorbereitung grübelte, was das wohl heißen sollte: sündigen „in Gedanken, Worten und Werken, allein oder mit anderen“.  (Na ja, das habe ich dann später doch begriffen ;-). Frage mich aber bis heute, wie man damals Kinder, die nie aufgeklärt wurden, erst auf solche Gedanken bringen konnte)

Poesiealbum Oma

Die Lehrer und Lehrerinnen aus der Zeit sind mittlerweile zum großen Teil gestorben, aber meine damalige Lieblingslehrerin fand ich nach unserem Umzug „um drei Ecken“ rum wieder: Sie ließ mich grüßen, denn mittlerweile hatten sie und meine Mutter eine gemeinsame Bekannte. Sie war auch von den Lehrerinnen die einzige, die nicht so etwas langweilig-moralinsaures ins Album schrieb, mit dem eine Neunjährige nicht so viel anfangen konnte.

Am meisten gefallen haben uns damals natürlich die typischen Sprüche, die dann phantasievoll verziert waren. Ich selbst habe immer gern Herzchen ausgeschnitten, sie am Rand mit Buntstift angemalt und dann mit Spucke drumherumgewischt. Auch in meinem Album finden sich viele solcher DNA-Spuren von anderen …

Poesiealbum Herzchen

Besonders geliebt habe ich schon damals die „Poesiealbumbilder“ (herrliche Wortschöpfung, oder?).

Poesiealbum Glanzbildchen

Die mit Glitter waren besonders wertvoll, und diese Schwäche habe ich mir bis heute erhalten. Ich habe eine feine kleine Sammlung dieser Glanzbildchen, und ab und zu gönne ich mir neue aus dem Spielwarengeschäft. Ja, ich weiß, der „Fachbegriff“ für diese Bildchen ist „Oblaten“. So aber hießen bei uns die Hostien.

Wenn Sie jetzt Lust auf „Poesiealbumbilder“ haben: In Coesfeld sitzt die Firma, die immer noch diese Bilder herstellt. Auf der Website sind ungeahnte Schätzchen zu sehen. Da können Sie stundenlang stöbern, ind uralten und auch in neuen Motiven: http://ef-glanzbilder.de/scrap_pictures/15.htm

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