Archive for Mai, 2014

Nostalgie und Erinnerung

Sich zu erinnern, heißt nicht automatisch, nostalgisch zu werden. Heißt nicht automatisch, sich nach der „guten alten Zeit“ zu sehnen und ein ungesundes Heimweh zu entwickeln, das sich nicht stillen lässt. Sich erinnern heißt auch nicht, rückwärts gewandt zu sein und die Gegenwart zu vernachlässigen.Sich erinnern kann aber heißen, zu lernen.

„Zukunft braucht Erinnerung“ heißt eine historische Plattform im Netz,

„Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ eine andere.

Sich erinnern kann auch heitere Züge tragen, und dafür möchte ich Ihnen eine Website vorstellen, in der sich herrlich stöbern lässt: Das Wirtschaftswundermuseum über Alltagskultur in den 50er und 60er Jahren. Über die Entwicklung der Kochbücher in den Jahren nach dem Krieg können Sie auf dieser Seite lesen.  Anfangs geht es dabei nicht um Kochkunst, sonderum um Sattwerden. Interessanterweise gibt es aber schon 1950 Bücher zum Thema „“Hilfe – ich werde zu dick“.

Der Fundus an Bildern der Alltagskultur auf diesen Seiten geht zuück bis in die 30er Jahre. Eine herrliche Fundgrube der Erinnerung .

Meine persönliche Erinnerung geht bis in die 50er Jahre. Aber Sehnsucht nach dieser Zeit? Nostalgie? Nein. Es war ja nicht nureine heile Welt, es war auch eine sehr enge und engstirnige Welt. Es tut auch gut, sich manchmal daran zu erinnern und das zu schätzen, was wir jetzt an Freiheit genießen.

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14. Mai 2014 at 15:56

Muttertag für Fortgeschrittene …

… für Fortgeschrittene im Alter nämlich. Da ist das kein Pflichttag mehr, an dem man sich unter Druck fühlte, sein „Mütterlein zu ehren“ und zu beschenken. Da ist das eher ein Tag des lieben Gedenkens an die Mutter, die man so gern noch hätte.

Meinen letzten Artikel zum Thema Muttertag schrieb ich in diesem Blog vor 5 Jahren. Erfüllt von der Dankbarkeit, noch eine Mutter zu haben. Nun sind meine Geschwister und ich seit drei Jahren „Waisenkinder“, wie die meisten in unserem Alter. Merkwürdig finde ich immer noch, dass man tatsächlich mit über 60 noch die Eltern vermissen kann. Früher hätte ich das als psychisch gestört interpretiert. Mittlerweile sehe ich es eher als Teil der Wertschätzung, die während des eigenen Älterwerdens gegenüber den Eltern immer mehr wächst.

Das gehetzte Geschenke-Besorgen auf die letzte Minute sehe ich jetzt eher mit mildem Sarkasmus, das unbeholfene Muttertagsgeschenk aus Kindergarten-Zeiten, das ich in meinem Fotoalbum finde, rührt mich an.

Muttertag Kindergarten Muttertag Kindergarten 2

Klar führte da die Kindergarten-„Tante“ die Hand, aber ich erinnere mich an den Stolz, etwas „selbst geschrieben“ zu haben.

Eines der späteren Geschenke zum Muttertag war eine Vase im typischen Nierentisch-Design der fünfziger Jahre. Heute nicht wirklich mein Geschmack, aber ich halte diese Vase aus dem Nachlass meiner Mutter in Ehren. Sie hat einen Sprung und leckt, und so kann ich sie nur mit künstlichen Blumen füllen. (Eigentlich auch nicht mein Geschmack, aber eine leere Vase ist dann doch zu trist). Sie steht in meinem „Ahnenschrein“ , einer kleinen Ecke in meinem Büro, die mich an meine Wurzeln erinnert, aus denen ich viel Kraft schöpfe.

 

Muttertag Blumenvase

 

Ein beliebtes Geschenk bei kleinem Budget waren auch Tropfenfänger in Schmetterlingsform. Wofür man so etwas braucht? Na, damit der Kaffee nicht beim Einschenken auf die „gute“ Tischdecke tropft! So sah das aus:

Tropfenfänger rosa grün

 

Im Kindergarten hatten wir ein Lied gelernt, das wir erst sehr spät in die Tat umsetzen konnten:

Liebes gutes Mütterlein

will dir was erzählen.

Meine Händchen sind noch klein,

dürfen jetzt noch spielen.

Aber Mutter glaub es mir,

wenn ich groß bin, helf ich dir.

Dann darfst du im Sessel ruhn

und ich werd die Arbeit tun.

Bei unserer Mutter, die der tapferen Kriegsgeneration einer kinderreichen Familie angehörte, hatten wir dazu erst die Chance, als sie selbst krank war. Sie, die immer anderen half, konnte es nur schwer ertragen, untätig sein zu müssen.

Sobald es ihr besser ging, war sie wieder aktiv. Unvergessen, wie ich sie bei einem mehrtägigen Besuch in unserem Haus zum Frühstück wecken wollte und sie im Nachthemd dabei erwischte, dass sie unsere Wäsche bügelte. „Ach Kind, ich war schon um 5 Uhr wach, und du hast ja auch nicht so viel Zeit für alles“.

Sie liebte Gartenarbeit. Dabei war Unkraut ihr persönlicher Feind, besonders das, was sich in Fugen auf Gartenwegen hielt. Auch wenn sie eigentlich zu Besuch war, damit wir uns ein paar schöne Tage machen konnten, wollte sie helfen. Ich habe bis heute das Kartoffelmesser, das mit seiner rundgeschliffenen Spitze an seine Einsätze als Fugenkratzer erinnert.

Als wir vor Jahren den Stein für das Grab meines Vaters aussuchten, sagte sie: „Die Schrift muss aber höher, da muss ich ja später auch noch stehen“.

Da steht ihr Name nun auch. Sie bekam vor drei Jahren bei der Gartenarbeit in ihrem eigenen Garten einen Schlaganfall und starb zwei Tage später. Nun hat sie Blumen auf ihrem Grab.

Wir hatten eine wunderbare Mutter. Nicht nur am Muttertag.

 

 

 

 

11. Mai 2014 at 14:25


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