Posts filed under ‘Alltag’

Der füge sich still in den Lauf der Welt, denn der Regen, der regnet jeglichen Tag

Jetzt scheint wieder alles normal, aber am Wochenende ertranken wir schier in den Regenfluten, und dauernd ertönten die Feuerwehrsirenen. Dieses Zitat kam mir da in den Sinn, aber ich wusste nicht, woher es stammt (ja, ich habe eben gegoogelt: es ist aus King Lear 😉  ). Wir kamen noch glimpflich davon, bei uns lief nur der Teich über, und einige Goldfische mussten gerettet werden. Die Schnecken erreichten die Salatpflanzen schwimmend, und vermutlich ertranken einige Mäuse in ihren Mauselöchern.

Viel schlimmer erwischte es einige, deren Häuser dicht am Hang des Wiehengebirges lagen: Ihre Keller wurden überflutet. Vor allem aber litten und leiden immer noch die Landwirte. Durch das wechselhafte Wetter der letzten Wochen konnte die Ernte nicht vollständig eingebracht werden. Bestand zwischen Gewittern und Regengüssen sonst immer noch die Hoffnung, das Getreide werde wieder trocknen, sieht es auf einigen Feldern jetzt traurig aus.

Als ich heute über Land in den Nachbarort fuhr, kam ich an randvoll gefüllten Gräben rechts und links der Straße vorbei. Nun gut, dafür sind ja die Gräben in einem ehemaligen Moorgebiet da. Aber dann sah ich Seen, die bei dem heute blauen Himmel Ferienstimmung vorgaukelten. Dabei verdecken sie die grausame Wahrheit: Die Ernte darunter ist beschädigt oder sogar verloren. Als ich hielt, um Fotos zu machen, traf ich einen Landwirt, der mir mit sorgenvoller Stimme erzählte, er suche nach Wegen, das Wasser zum Abfließen zu bringen. Aber die Gräben sind voll, der Boden ist zu nass für Bagger, die einen neuen Graben ziehen können, und der Abfluss in die Hunte scheint blockert zu sein. Das Wasser steht nun schon seit zwei Tagen unverändert dort.

Und eines der neuen riesigen Windräder hat nasse Füße. Da dachte ich sarkastisch : Ich bin zwar nur Laie, aber wie kann man ein Windrad in die Senke stellen?  Die Natur ist letztendlich die Gewinnerin, scheint mir, und wir müssen uns arrangieren und fügen.

Straße m.W.

Wasser 1 m.W.

Wasser 2 m.W.

Wasser 3 m.W.

Wasser 4 Windrad m.W.

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20. August 2015 at 09:19

Lob des Alltags

Das wahre Leben findet ja nicht nur im Beruf, in wichtigen Sitzungen und gaaaanz wichtigen Terminen statt. Der banale Alltag ist ja mindestens so wichtig.  Auch wenn manches vielleicht nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, auch bei Routine-Arbeiten kann es schöne Momente geben. Ich finde, beim Bügeln kann man wunderbar nachdenken, 50er-Jahre Schmonzetten mit Caterina Valente im Fernsehen anschauen, die man sonst gar nicht ertragen würde,  oder sich auch einfach an den Erinnerungen freuen, die mit manchen Bügelteilen verbunden sind.

Heute ist mein Haushaltstag. Muss auch mal wieder sein, und ich mache solche Arbeiten lieber, wenn ich dafür Zeit reserviere, statt mal eben husch husch irgendwie reingequetscht. Beim Bügeln habe ich mich über zwei Teile gefreut:
Erst einmal ein Deckchen aus dem Nachlass meiner Mutter. Sie hatte eine Blumenvase drauf stehen. Das Deckchen mit seinem feinen Spitzenrand habe ich ihr vor Jahrzehnten mal zum Muttertag gehäkelt. Jetzt liegt es frisch gestärkt auf meinem Nachttisch.
Und dann eine Schürze, die meine Tante Sefa mir vor Jahren schenkte. Sie war katholische Nonne und arbeitete in ihren aktiven Jahren im Speisezimmer des Klosters. Als Nonne hieß sie „Maria Hildelita“. Tante Sefa wusste, dass ich gern beim Kochen Schürzen trage, und sie brauchte mit über 80 ja nicht mehr arbeiten. Speisezimmer und Hildelita sind fein eingenäht im Bund der Schürze, von hunderten von Wäschen etwas verblichen, aber noch lesbar.
Und man beachte die sorgfältigen Abnäher, die der Schürze Sitz verleihen. In Zeiten, wo gekaufte Schürzen unförmige gerade Teile sind und wo Abnäher in Kleidung seltene Fossilien sind, rührt mich das fast. Einen meiner Nähkurse in Jugendjahren machte ich bei katholischen Nonnen, und dort lernte ich auch, Abnäher, Revers, Manschetten zu nähen und Reißverschlüsse einzunähen. Revers und Manschetten brauch ich heute eher weniger, aber das mit den Reißverschlüssen ist schon ganz praktisch. 

Gleich baue ich die Nähmaschine auf und repariere einiges. Ja, auch Reißverschlüsse. Das, was ich aus meiner Kindheit in den fünfziger Jahren gelernt und im Studium mit wenig Geld wirklichl gebraucht habe, pflege ich heute immer ncoh. Damit bin ich ja heute wieder hochmordern. Von wegen Nachhaltigkeit und so. Nicht alles gleich wegwerfen, was noch repariert werden kann.
Banaler Alltag kann manchmal doch ganz nett sein.
‪#‎Erinnerungen‬

 

Deckchen

 

Schürze

19. Juni 2015 at 12:25

Gartenfreude

Ich war eine Weile recht still hier, das Gesundwerden dauerte ein bißchen  länger.

Und jetzt werden wieder die Stapel auf dem Schreibtisch abgearbeitet, und in der Pause genieße ich die Natur. Der Gang durch unseren Garten ist jetzt für mich eine große Freude. (Danke an meinen lieben Mann, der alles so liebevoll pflegt).

Die erste Zucchini (der erste Zucchino?) ist da, der Rosenbogen strahlt gegen den blauen Himmel, eine samtige Rose ist so schön, dass man sie streicheln möchte, und in unserem wilden Blumenbeet, das wir für die Insekten angelegt haben, wimmelt und brummt es. Manchmal lassen sich zwei Hummeln gleichzeitig auf einer Blüte nieder. Stundenlang könnte ich da schauen.

#Dankbarkeit

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8. Juni 2015 at 12:41

Heuerlinge- Filmbericht des NDR

Vor einigen Monaten stellte ich das neue Buch von Bernd Robben über die Geschichte der Heuerlinge in Nordwestdeutschland vor. Hier können Sie den Artikel nachlesen (Klick).

Gestern am Ostermontag nun brachte der NDR einen Bericht mit historischen Aufnahmen und Interviews mit Bernd Robben und Theresia Brüning, einer Heuerlingstochter aus Gleesen, gedreht im ehemaligen Heuerlingshaus des Hofes Robben. Sehr sehenswert!

Hier können Sie den Film in der Mediathek des NDR sehen.

Das Buch „Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen“ von Bernd Robben ist noch in einigen Exemplaren erhältlich. Im Oktober gibt es eine Neuauflage. Aktuelle Informationen finden Sie auf der Website http://www.heuerleute.de.

 

7. April 2015 at 07:56

Sauerteig macht fröhlich

Es gibt ein Leben außerhalb von Schreibtisch und Praxis, und das pflege ich intensiv. Seit einigen Tagen lebt ein neues Lebewesen neben mir, von meiner lieben Kollegin Petra van Cronenburg in ihrem Blog „Grenzgängereien“ auch „Sauerteigtier“ genannt. In ihrem Blog beschrieb sie ausführlich ihre Versuche, dieses zu züchten. Das machte mich neugierig, backe ich doch schon seit Jugendzeiten und probiere gern Neues aus. Ich folgte also ihrem Hinweis auf das Blog der Deutschen Karin Anderson, die in den USA lebt und das pappige Weißbrot in den USA satt hatte. Sie experimentierte mit Sauerteig – und dieses Rezept probierte ich aus.

Die Grundsubstanz für den ganzen Sauerteig besteht aus

2 Tassen Weizen-, Roggen-, oder Dinkelmehl
1 Tasse lauwarmes Wasser (auf keinen Fall über 40 Grad)

Einfach, oder?

Für den Start nahm ich 1 Tasse fein gemahlenes Dinkelmehr und 1/2 Tasse lauwarmes Wasser, bedeckte die Schüssel mit einem frisch gebügelten Geschirrtuch (um „falsche“ Bakterien abzuhalten) und ging Schritt für Schritt nach dem Vorbild vor.

So sah dann nach drei Tagen das Ergebnis aus:

Sauerteig

Es blubberte und duftete aufs Allerfeinste.

Ich fügte dann die zweite Tasse Dinkelmehl hinzu  und verrührte das Ganze mit einer weiteren halben Tasse lauwarmen Wasser. Ich deckte die Schüssel wieder zu, stellte sie für ein paar Stunden auf die Heizung und dann wieder in die Küche und wartete noch 2 Tage. (Wärme ist zwar gut, aber nicht zu viel davon)

Und ich wurde mit einem lecker duftenden lockeren Sauerteig belohnt. Irgendetwas muss ich richtig gemacht haben, denn ich las auch von stinkigen mißratenen Sauerteig-Ansätzen.

Auf der Suche nach einem passenden Brot- Rezept entdeckte ich mehrere, die mir gefielen, und die kombinierte ich dann ganz mutig. Mein Rezept sah schließlich  so aus:

250 Gramm Dinkelmehl fein ausgemahlen

200 Gramm Weizenmehl fein ausgemahlen

150 Gramm zarte Haferflocken

2 gestr. Teel. Salz (wer es würziger mag, nimmt 2,5)

1 Teel. Zucker

200 ml lauwarmes Wasser und 100 ml lauwarme Milch (oder 300 ml Wasser)

Wenn der Sauerteig noch ganz neu ist, sollte man 5 Gramm frische Hefe hinzufügen (Das ist ein Krümelchen. Falls nur Trockenhefe im Haus ist, würde ich davon eine winzige Löffelspitze voll nehmen).

Bei diesem Rezept bleiben mehrere Esslöffel voll Sauerteig übrig. Den habe ich in einer großen Plastikdose in den Kühlschrank gestellt. Angeblich hält er sich dort einige Tage.

——

Lauwarmes Wasser/Milch und Hefe verrühren. Trockene Zutaten in eine große Schüssel, Hefewassermilch  hinzufügen und kneten. Der Teig sollte noch etwas klebrig sein.

Schüssel abgedeckt 60 bis 80 Minuten warm stellen und Teig gehen lassen.

Dann nochmals kurz kneten und in eine gebutterte und gemehlte Brot-Kastenbackform geben. Mit einem scharfen Messer schräge Einschnitte machen, ca. 1 cm tief. Das hilft dem Teig beim Gehen. (Ich war nicht mutig genug, meine Einschnitte waren zu flach)

Nochmal ca. 50 Minuten in der Form gehen lassen. 15 Minuten vor Ende der Gehzeit den Backofen vorheizen auf 200 Grad Ober-Unterhitze.

Form hineingeben, nach ungefähr 10 Minuten runterschalten auf 180 Grad. Uhr stellen und noch ungefähr 40 Minuten backen. (Die letzten Minuten gut beobachten, Backzeit kann kürzer oder länger sein. )

Ich habe auch noch eine Metallschüssel mit kochendem Wasser auf den Boden des Backofens gestellt. (Ich las irgendwo, das solle gut für die Kruste sein)

So sah das fertige Brot aus:

Brot m.W.(Klick auf das Bild zum Vergrößern)

Es hat eine lockere und doch feste Krume, schmeckt auch am zweiten Tag noch gut, am dritten aber besser, wenn man es toastet. Ich habe die Hälfte eingefroren, denn zu zweit produziert man sonst doch zu viel altbackenes Brot.

Jetzt bin ich gespannt auf das nächste Brot. Angeblich sollen die Brote ja mit jedem neuen Sauerteig-Ansatz besser werden.

Der Teig war übrigens eine Wonne zum Kneten. Dass Hände und Schüsseln und Brett sauber sein müssen, ist natürlich klar 😉 . Geduld und Gelassenheit sind auch eine gute Zutat.

Die Küchenregel eines alten Freundes, dessen Mutter Italienerin war, gilt beim Arbeiten mit Sauerteig nicht: „In jedem Teig geben Schweißtropfen von der Stirn der Mamma erst die richtige Würze.“

11. März 2015 at 19:21

Tagebuch per Foto

Sie wollen schon so lange endlich mit dem Tagebuchschreiben beginnen oder es fortsetzen? Aber irgendwie kommen Sie nicht dazu, oder das Schreiben ist doch nicht so das Richtige für Sie? Vielleicht ist dann ein Foto-Tagebuch für Sie wie geschaffen. Sicher haben Sie ein Smartphone oder eine Digitalkamera. Und damit machen Sie in diesem Jahr jeden Tag ein Foto.

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Ob das nun ihre Kantine ist, ein Haus auf Ihrem Weg, die ersten Blätter im Frühling, Bücher im Schaufenster, ein Buch, das Sie gelesen haben – Motive finden Sie genug.

Weitere Anregungen finden Sie in Burkhard Heidenbergers Blog, dem ich diesen schönen Hinweis verdanke. Und in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr am Jahresende machen Sie aus allen Fotos ein Foto-Tagebuch für sich.

Und falls sie es dennoch mit weiteren Formen des Tagebuchschreibens versuchen wollen, finden sie in meinen anderen Blog-Beiträgen zum Thema Hinweise oder in meinem Buch (Taschenbuch  oder Ebook )

11. Januar 2015 at 16:58

Was machen die guten Vorsätze?

Schon der 9. Januar – und vermutlich haben auch Sie für dieses Jahr gute Vorsätze gefasst. Mehr Sport, gesünder ernähren, weniger rauchen. Oder falls Sie Autor(in) sind, haben Sie sich für jeden Tag ein bestimmtes Schreibpensum vorgenommen. Und was ist nun in den ersten Tagen des neuen Jahres passiert?
Naaa? Sie haben alles wie geplant umgesetzt? Dann gratuliere ich von Herzen. Sie sind ein ganz seltenes Exemplar!
Irgendwie hat es doch nicht so geklappt wie geplant? Der Hund musste zum Tierarzt, der Tannenbaum abgeräumt werden, die Kinder haben wieder Schule, Sie bekommen von den ersten Haselblüten schon Heuschnupfen, und überhaupt war sooo viel Alltag? Dann grämen Sie sich nicht.
Fassen Sie keine Vorsätze zu neuer Perfektion. Machen Sie´s eine Nummer kleiner. Schreiben Sie in einer Liste die Punkte aus dem Alltag auf, die wirklich noch unbedingt erledigt werden müssen, ehe Sie sich gestatten, kreativ zu sein, Sport zu treiben oder sonstige Vorsätze zu realisieren. . Geben Sie sich dafür eine Woche Zeit.

Gute Vorsätze 2

Was bis dahin nicht erledigt ist, kann ja durchaus noch eine weitere Woche warten, oder? Und außerdem können Sie sich in einer Woche fragen, ob Sie sich wirklich selbst damit frustrieren wollen, zum -zigsten Male die gleichen Vorsätze nicht umzusetzen. Und haben Sie den Mut, aus der Liste der guten Vorsätze welche zu streichen. Uuuh, das geht nicht, jeder weiß doch, wie ungesund rauchen ist? Nein, Sie können sich doch nicht vornehmen, nicht regelmäßig Sport zu treiben? Nun, niemand hindert Sie, zwischendrin zu mogeln und dann doch mal eine Runde zu joggen ;-).
Und statt in einer Woche mit dem ganz großen Projekt zu beginnen, wäre es schon gut, täglich eine einzige Stunde für ein kleines Projekt einzuplanen. Merke: Befriedigung über ein gelungenes kleines Projekt gibt mehr Energie als der Frust über ein immer noch nicht geschafftes großes Projekt …
Woher ich das weiß? Dreimal dürfen Sie raten!

9. Januar 2015 at 10:36

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