Posts filed under ‘Freude’

Über den Tellerrand gucken

Ich habe bei meiner neuen Leidenschaft, dem Malen, ja bislang dem Malen in Öl den Vorrang gegeben. Dennoch habe ich  wieder an einem Workshop für Acrylmalerei teilgenommen, und dazu noch mit Schwamm und Spachtel statt mit Pinseln (… und ich habe soooo schöne Pinsel!). Ich musste also gleich doppelt über meinen Schatten springen, aber ich will ja verschiedene Techniken kennenlernen. Während des Workshops hatte ich gelegentlich doch Sehnsucht nach meinen Ölfarben und den Pinseln, mit denen ein weiches Arbeiten mit sanften Übergängen möglich ist. Mit dem Spachtel war alles irgendwie eckiger, abgehackter, grober. ABER: Es kamen Effekte heraus, die ich so noch nicht kannte, und allmählich wurde ich warm mit meinem Bild. WIE warm, sieht man schon an den Farben. Das Bild trägt den Titel „Flammenparadies“.

Es ist doch manchmal ganz gut, die eigenen Vorurteile zu übergehen und den Horizont zu erweitern.

14. April 2019 at 13:54

Ich lerne malen

Bislang habe ich darüber in meinem Blog noch nicht geschrieben, aber in Zukunft könnte das öfter Thema sein: Ich habe im letzten Jahr angefangen, zu malen.

Gezeichnet habe ich zwischendrin immer mal, aber nie systematisch. Wenn ich alte Zeichnungen ansehe, denke ich: Warum wurde das in der Schule nicht mehr gefördert? Und warum habe ich das nicht selbst mehr verfolgt? Sooo schlecht war das doch gar nicht!

Wie auch immer – jetzt bin ich in der Phase des Lebens angelangt, wo ich wieder mehr Freiheit habe. Und wo ich Neues lernen will. So habe ich im letzten Jahr mit Ölmalerei begonnen, habe zwei Kurse bei Susanne Strefel besucht, war bei Yevhenij Ayzenberg, arbeite Kunstbücher durch und übe malen, so oft ich kann.

Es macht mir sehr viel Freude, ist sehr meditativ, und insbesondere das Arbeiten mit Öl verführt zum langsamen, intensiven Arbeiten.

Mein erstes Werk in einem Kurs bei Susanne Strefel waren Kirschen, gemalt nach einem Motiv von ihr. Susanne ist eine großartige Lehrerin, und sie gibt einem auch als absolute Anfängerin nie das Gefühl „das schaffe ich ja doch nicht“.

So habe ich dann mutig auch nach eigenen Motiven gesucht und versucht, sie malerisch umzusetzen.

Leider ist aber auch das Leben einer Unruheständlerin voll mit allerlei Terminen (siehe beispielsweise alle Beiträge unter B65 neu), und so kann ich manche Kurstermine, die mich interessieren, nicht wahrnehmen.

Besonders aufmerksam verfolge ich die Idee des „Daily Painting“, die aus den USA kam. Statt großformatig zu malen und womöglich wochenlang mit einem Bild beschäftigt zu sein, malt man jeden Tag ein kleinformatiges Bild. Mittlerweile gibt es auch Plattformen, auf denen diese Bilder verkauft werden. So stieß ich z.B. auf die Künstlerin Sonja Neumann, den Künstler Thomas Ruckstuhl und den Künstler Dietmar Stiller.

Falls Sie sich für Kunst interessieren und gern ein erschwingliches Original kaufen möchten, schauen Sie sich auf diesen Seiten um! Es lohnt sich!

Ich selbst bin noch längst nicht so weit, dass ich ein Bild pro Tag schaffe („one painting a day“), ich suche überhaupt noch nach einem eigenen Stil und bin noch voll damit beschäftigt, Techniken zu erlernen. Wenn ich mal nicht zum Malen komme, versuche ich, zumindest eine kleine Zeichung in meinem Skizzenbuch zu machen.

10. März 2019 at 15:43

Auf ein Neues!

Ja, Sie haben gute Vorsätze gefasst. Ja, Sie haben viel Geschimpfe über das alte Jahr 2016 gelesen. Keine Bange, ich werde hier jetzt nicht auch noch tiefsinnige Gedanken über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbreiten.

Ich bin einfach dankbar, in diesem Land leben zu dürfen, in dem wir unsere Meinung sagen dürfen, ohne im Gefängnis zu landen.

In einem Land, wo eine Bürgerinititative, die kritisch mit politischen Entscheidungen und mit Politikern umgeht, keine Verfolgung fürchten muss.

In einem Land, wo trotz aller Probleme die medizinische Versorgung besser ist als in den meisten Ländern auf der Welt.

In einem Land, wo trotz aller Probleme Menschlichkeit immer noch einen hohen Stellenwert hat.

Und ganz persönlich bin ich dankbar, dass das Schicksal mich vor vielen Jahren nach allerlei Wegen durch die Welt wieder nach Norddeutschland geführt hat, wo ich bei Spaziergängen auch bei „schlechtem“ Wetter so wunderbare Lichtstimmungen genießen kann, die mich an Kindheitstage erinnern.

Ich wünsche Ihnen ein Jahr 2017, in dem Sie an jedem Tag, egal wie schwierig er sein mag, noch etwas finden, um sich zu freuen und dankbar zu sein.

 

lichtstimmung-winter-m-w

 

4. Januar 2017 at 15:14

Die Kraniche ziehen nach Süden

Jedes Jahr im Herbst ist es von Neuem faszinierend, wenn Die Kraniche mit großem Geschnatter in immer wieder neuen Formationen bei uns übers Haus fliegen. Einige sind schon wohlgeordnet, wenn sie aus dem Niedrungen nördlich des Dümmersees  hier ankommen, andere diskutieren noch aufgeregt den Weg und finden sich dann doch zu drei wunderschöne Einsen zusammen.

kraniche-1-m-w

 

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Ich werde da immer ganz ehrfürchtig angesichts der Selbstorganisation in der Natur. Wenn Sie mehr über diese faszinierenden Vögel und ihren Zug nach Süden erfahren wollen, lesen Sie bitte hier

29. Oktober 2016 at 16:57

Sommer-Erinnerungen

An diesen heißen Tagen kommen wieder Erinnerungen an Sommertage während meiner Kindheit hoch. Damals hatten Häuser meist keine Terrassen oder Balkons, es gab auch keine speziellen Terrassen- oder Freizeitmöbel. Wenn Erwachsene sich überhaupt die Zeit nahmen, draußen zu sitzen, war das meist mit Arbeit verbunden. Man saß auf alten ausrangierten Küchenstühlen („aufm Hof“, der auf dem Land hauptsächlich aus der betonierten Platte der Güllegrube bestand). Und einfach so faulenzen kannte man damals nicht. Immer war ein Sieb zum „Erbsendöppen“ dabei, oder mit einer Gabel wurden Johannesbeeren für die Marmelade vorbereitet.

Wir Kinder durften uns immerhin auf einer Decke auf den Rasen in Omas Blumengarten legen. Und wir durften den Luxus genießen, in die „Badeanstalt“ zu gehen. Das war bei uns damals die „Mili“, die Miltärbadeanstalt, die eigentlich zu den Kasernen gehörte, aber der Öffentlichkeit zugänglich war.

 

Militär badeanstalt ca. 1960

Ich habe dort Schwimmen gelernt und Freischwimmer und Fahrtenschwimmer gemacht. Nur die Köpper vom Drei-Meter-Brett waren nicht so mein Ding. Die Badanzüge in den fünfziger und sechziger Jahren trockneten nicht so schnell, dagegen half nur, möglichst schnell wieder ins Wasser zu springen. Dieser Geruch nach Nußöl (so eine braune Flasche, schmieriges Zeug, das beim „Braunwerden helfen sollte), Chlorgeruch, diese Geräusche, dieses Rüberschielen, wenn man Jungs entdeckte, die man von der Schule kannte, dieses Bauch-Einziehen und Busen-Verstecken in dieser prüden Zeit … Die Umkleidekabinen aus Holz mit ihren Gucklöchern und ihrem merkwürdigen Geruch … im Kiosk konnte man Waffelbruch kaufen und Haribo-Schnecken. Da das Taschengeld knapp war und wir alle Wege mit dem Fahrrad machten, bestand auch keine Gefahr, dass wir Übergewicht ansammelten. Hach, schön war´s! #Nostalgie #Erinnerungen

21. Juli 2016 at 12:34

Adventsbastelei: ein Türkranz

Ihnen geht der ganze Weihnachtskitsch, der schon im September anfing, auf die Nerven? Diese ganze Kommerzialisierung der Weihnachtszeit ist Ihnen ein Greuel? Und aus Protest haben Sie bislang keinerlei Advents- oder Weihnachtsdeko in der Wohnung? Oder sind Sie bislang vor lauter Streß nicht dazu gekommen und finden es jetzt doch etwas trüb?

Da habe ich einen kleinen Tipp für einen schnell gemachten Adventsschmuck, der mit wenigen alltäglichen Zutaten auskommt:

  • ein Draht-Kleiderbügel (wie man ihn von der Reinigung bekommt)
  • etwas Zeitungspapier
  • verschiedene immergrüne Zweige
  • Blumendraht (oder dünnes Garn)
  • Schmuckband (oder rote/ bunte Wolle)

Wo solllen Sie denn heute am Sonntag die grünen Zweige herbekommen, wenn Sie keinen Garten haben? Wie wär´s mit einem Spaziergang im Wald? Oder einem spontanen Besuch bei Freunden, die einen Garten haben, mit der Bitte, ein paar grüne Zeige schneiden zu dürfen? Oder Sie warten eben bis morgen und holen sich einige Zweige aus einem Blumengeschäft oder einer Gärtnerei.

Los geht´s:

1Kleiderbügel

Das Rohmaterial

2gebogenSie biegen den Kleiderbügel zum Herz (oder zum Kreis, wenn Sie das lieber mögen)

3PapierSie reißen Zeitungspapier in ca. 10 cm breite Streifen, knautschen diese und wickeln sie mit Blumendraht um das Gestell

4fertigSie wickeln die kleinen immergrünen Zweige in Büscheln mit Blumendraht so, dass imer ein Büschel die Enden des anderen überdeckt.

Dann den Haken oben mit Schmuckband oder Wolle umwickeln, evtl. mit Alleskleber etwas fixieren. Mit Hagebutten oder kleinen Kugeln oder was Sie sonst da haben, dekorieren. Zum Schluß noch eine Schleife, fertig.

Wenn Sie den Kranz außen am Haus anbringen, nehmen Sie in diesem stürmischen Dezember besser einen Haken. Innen tut es auch eine Reißzwecke oder eine Nadel von der Pinnwand.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen – und stehen Sie einfach dazu, dass Sie als erwachsener, stilsicherer und erfolgreicher Mensch Weihnachtskitsch ganz schön finden. Falls Sie noch mehr Ermutigung brauchen, lesen Sie doch einfach meine anderen Blog-Artikel, die ich unter dem Stichwort „Weihnachten“ geschrieben habe. (Klick)

6. Dezember 2015 at 15:23

Alltag und Erinnerungen

Wie banale Alltagstätigkeiten Erinnerungen triggern können, habe ich ja schon öfter beschrieben. Eine extrem banale Tätigkeit habe ich heute zu bieten: Das Fegen. Ja, richtig, ich mache nicht alles mit dem Staubsauger, sondern bei uns gibt es auch noch den schlichten Besen.

Als ich heute die Fliesen in der Küche fegte, fiel mir wie jedes Mal bei dieser banalen Tätigkeit der Satz ein »Bei uns ist es immer schmutzig. Dann fege ich die Küche aus«.
Dieses nicht ganz perfekte Satzgespann, das aber doch eine gewisse Logik hat, stammt aus einem meiner ersten Schulaufsätze in der Grundschule. Thema: »Wie ich meiner Mutter helfe«. Ich muss damals so sieben, acht Jahre alt gewesen sein.
Dieser Satz amüsierte meine Lehrerin so,dass sie ihn meinen Eltern erzählte, und dieser Satz ist nun seit über 50 Jahren ein „Familienerbe“. Ich höre ihn innerlich immer in der lachenden Stimme meiner Mutter.
Diese wunderbare kindliche Logik, zu erkären, WARUM man die Küche ausfegt, amüsiert mich selbst jedes Mal – klar, „bei uns ist es immer schmutzig“. Da wir ziemlich ländlich leben und viel draußen sind, dazu noch einen Hund mit haarigem Alles-Sammler-Fell haben, habe ich heute relativ oft Gelegenheit, mich daran zu erinnern 😉

Fegen m.W.

 

Und Sie? Welche Alltags-Tätigkeiten bringen bei Ihnen Erinnerungen hervor?

Einen schönen Buchtipp habe ich auch für Sie:

Douw Draaisma, Warum das Leben schneller vergeht, wenn man älter wird. Von den rätseln unserer Erinnerung. Piper TaBu 2006

 

23. August 2015 at 16:53

Sauerteig macht fröhlich

Es gibt ein Leben außerhalb von Schreibtisch und Praxis, und das pflege ich intensiv. Seit einigen Tagen lebt ein neues Lebewesen neben mir, von meiner lieben Kollegin Petra van Cronenburg in ihrem Blog „Grenzgängereien“ auch „Sauerteigtier“ genannt. In ihrem Blog beschrieb sie ausführlich ihre Versuche, dieses zu züchten. Das machte mich neugierig, backe ich doch schon seit Jugendzeiten und probiere gern Neues aus. Ich folgte also ihrem Hinweis auf das Blog der Deutschen Karin Anderson, die in den USA lebt und das pappige Weißbrot in den USA satt hatte. Sie experimentierte mit Sauerteig – und dieses Rezept probierte ich aus.

Die Grundsubstanz für den ganzen Sauerteig besteht aus

2 Tassen Weizen-, Roggen-, oder Dinkelmehl
1 Tasse lauwarmes Wasser (auf keinen Fall über 40 Grad)

Einfach, oder?

Für den Start nahm ich 1 Tasse fein gemahlenes Dinkelmehr und 1/2 Tasse lauwarmes Wasser, bedeckte die Schüssel mit einem frisch gebügelten Geschirrtuch (um „falsche“ Bakterien abzuhalten) und ging Schritt für Schritt nach dem Vorbild vor.

So sah dann nach drei Tagen das Ergebnis aus:

Sauerteig

Es blubberte und duftete aufs Allerfeinste.

Ich fügte dann die zweite Tasse Dinkelmehl hinzu  und verrührte das Ganze mit einer weiteren halben Tasse lauwarmen Wasser. Ich deckte die Schüssel wieder zu, stellte sie für ein paar Stunden auf die Heizung und dann wieder in die Küche und wartete noch 2 Tage. (Wärme ist zwar gut, aber nicht zu viel davon)

Und ich wurde mit einem lecker duftenden lockeren Sauerteig belohnt. Irgendetwas muss ich richtig gemacht haben, denn ich las auch von stinkigen mißratenen Sauerteig-Ansätzen.

Auf der Suche nach einem passenden Brot- Rezept entdeckte ich mehrere, die mir gefielen, und die kombinierte ich dann ganz mutig. Mein Rezept sah schließlich  so aus:

250 Gramm Dinkelmehl fein ausgemahlen

200 Gramm Weizenmehl fein ausgemahlen

150 Gramm zarte Haferflocken

2 gestr. Teel. Salz (wer es würziger mag, nimmt 2,5)

1 Teel. Zucker

200 ml lauwarmes Wasser und 100 ml lauwarme Milch (oder 300 ml Wasser)

Wenn der Sauerteig noch ganz neu ist, sollte man 5 Gramm frische Hefe hinzufügen (Das ist ein Krümelchen. Falls nur Trockenhefe im Haus ist, würde ich davon eine winzige Löffelspitze voll nehmen).

Bei diesem Rezept bleiben mehrere Esslöffel voll Sauerteig übrig. Den habe ich in einer großen Plastikdose in den Kühlschrank gestellt. Angeblich hält er sich dort einige Tage.

——

Lauwarmes Wasser/Milch und Hefe verrühren. Trockene Zutaten in eine große Schüssel, Hefewassermilch  hinzufügen und kneten. Der Teig sollte noch etwas klebrig sein.

Schüssel abgedeckt 60 bis 80 Minuten warm stellen und Teig gehen lassen.

Dann nochmals kurz kneten und in eine gebutterte und gemehlte Brot-Kastenbackform geben. Mit einem scharfen Messer schräge Einschnitte machen, ca. 1 cm tief. Das hilft dem Teig beim Gehen. (Ich war nicht mutig genug, meine Einschnitte waren zu flach)

Nochmal ca. 50 Minuten in der Form gehen lassen. 15 Minuten vor Ende der Gehzeit den Backofen vorheizen auf 200 Grad Ober-Unterhitze.

Form hineingeben, nach ungefähr 10 Minuten runterschalten auf 180 Grad. Uhr stellen und noch ungefähr 40 Minuten backen. (Die letzten Minuten gut beobachten, Backzeit kann kürzer oder länger sein. )

Ich habe auch noch eine Metallschüssel mit kochendem Wasser auf den Boden des Backofens gestellt. (Ich las irgendwo, das solle gut für die Kruste sein)

So sah das fertige Brot aus:

Brot m.W.(Klick auf das Bild zum Vergrößern)

Es hat eine lockere und doch feste Krume, schmeckt auch am zweiten Tag noch gut, am dritten aber besser, wenn man es toastet. Ich habe die Hälfte eingefroren, denn zu zweit produziert man sonst doch zu viel altbackenes Brot.

Jetzt bin ich gespannt auf das nächste Brot. Angeblich sollen die Brote ja mit jedem neuen Sauerteig-Ansatz besser werden.

Der Teig war übrigens eine Wonne zum Kneten. Dass Hände und Schüsseln und Brett sauber sein müssen, ist natürlich klar 😉 . Geduld und Gelassenheit sind auch eine gute Zutat.

Die Küchenregel eines alten Freundes, dessen Mutter Italienerin war, gilt beim Arbeiten mit Sauerteig nicht: „In jedem Teig geben Schweißtropfen von der Stirn der Mamma erst die richtige Würze.“

11. März 2015 at 19:21

Noch ein Tipp für einen Glücks-Vorrat: Das Erinnerungs-Glas

Nein, diese Idee stammt nicht von mir, ich habe sie selbst vor einiger Zeit im Internet gefunden und ausprobiert. Sie nehmen ein Glas oder eine schöne Dose für das ganze Jahr. Jeden Tag legen Sie einen kleinen Zettel hinein, auf dem Sie kurz notiert haben, was Sie an diesem Tag positiv erlebt haben, was Sie gern getan haben, worüber Sie sich gefreut haben, worüber Sie gelacht haben, welches Gespräch Ihnen besondere Freude gemacht hat. Da gibt es auch an einem noch so langweiligen Tag immer etwas, wenn Sie sich nur darauf besinnen. Schreiben Sie das Datum dazu.

Erinnerungs-Glas

Am besten legen Sie gleich einen kleinen Block und Stift neben das Glas. Und am Jahresende (oder immer, wenn Ihnen „ömmelig“ zumute ist), öffnen Sie das Glas und erinnern sich an schöne Momente.

Das ist auch ein gutes Gegengewicht für Menschen, die sowieso schon Tagebuch schreiben und sich immer wieder dabei ertappen, wie sie sich in ihrem Elend häuslich einrichten 😉

Suchen Sie schon mal ein großes leeres Glas und spülen Sie es gut aus. Zur Not kaufen Sie noch schnell vor Jahresende ein großes Glas Gurken, dessen Inhalt Sie Neujahr zum Kater-Frühstück anbieten ;-).

 

 

14. Januar 2014 at 14:48

Das Nachkriegskinder-Gen

Ich bin 1950 geboren, das kommt Ihnen vielleicht nicht mehr so als Nachkriegszeit vor. War es aber. Alles war knapp, Wohnraum, Nahrung, Kleidung.  Ja, auch Gefühle waren in manchen Familien knapp, weil die Eltern schlicht mit Überleben beschäftigt waren.  Meine Geschwister und ich haben uns aber nie arm gefühlt, denn Liebe gab es bei uns reichlich, und wir haben nie hungern müssen. Gemüse wurde im Garten angebaut, Hühner wurden auf einer gepachteten Wiese aufgezogen, und sie gaben Eier und Fleisch. Wir sind aber aufgewachsen mit der Haltung, nichts zu verschwenden, denn hinter Allem steckte harte Arbeit. „Das kann man doch noch gebrauchen“, „Das lässt man nicht verkommen“ waren vertraute Sätze damals. Unsere Mutter ribbelte die Wolle von alten Pullovern auf ein Brettchen (weiß heute noch jemand, was „Wolle aufribbeln“ heißt?), feuchtete sie an und glättete sie so. Daraus wurden dann neue Pullover oder Kinderkleider gestrickt, verlängert mit anderer Wolle, so dass es Schachbrett- Muster oder Ringel gab.

Strickkleid

Ein alter Mantel wurde zum Schneider gebracht und gewendet, mit einem neuen Kragen und Ärmelstulpen versehen, und schon war er „wie neu“. Aus Erwachsenen-Kleidern wurden Röcke für die Kinder genäht, Kleidung oder neue Stoffe zu kaufen war viel zu teuer. Schneiderinnen und Schneider waren viel preiswerter – heute wäre diese viele Näharbeit nach Maß gar nicht zu bezahlen. Alles wurde irgendwie verwertet. Wenn Omas Hausschwein geschlachtet wurde, gab es Wurstebrot, in der Pfanne in Scheiben gebraten. Dass der Hauptbestandteil Blut war, war uns als Kindern nicht bewusst. Seit ich das weiß, kann ich Wurstebrot nicht mehr essen, obwohl ich es als sehr köstlich in Erinnerung habe. Verwertet wurde auch alles, was der Garten hergab.  Gemüse wurde in Gläsern eingemacht, aus allem Obst wurde Marmelade gekocht, oder es wurden Säfte gemacht. Fallobst wurde zu Apfelmus verarbeitet. Bei jedem Essen wurden teure Zutaten verlängert. Hackbraten mit Paniermehl und eingebackenen Eiern z.B. Auch Rühreier mit Mehl und Milch waren normal. Nix Sahne und in Butter gestockt! Von meiner Schwiegermutter kenne ich den Spruch „dann nehmen wir ein Ei und machen den Kindern ein paar Eier“.

In den sechziger Jahren las ich von Johannes Mario Simmel „Es muss nicht immer Kaviar sein“, und neben der spannenden Geschichte beeindruckte mich, wie der Held in jeder Lebenssituation aus Resten ein köstliches Essen zauberte. Das Tollste: Die Rezepte standen dabei. Wurstnester mit Rührei wurden ein Klassiker meiner Studentenzeit mit Bafög und einem Konto, das man nicht überziehen konnte.

Ich habe dieses Nachkriegskinder-Gen bis heute. Viele Jahre machte ich mit Begeisterung Patchwork, jeder noch so kleine Flicken wurde verarbeitet (mittlerweile machen die Augen und Handgelenke das nicht mehr so mit). Und heute bekam ich einen akuten Anfall von „Das kann man doch nicht vergammeln lassen“. Durch Wind und Regen waren viele Äpfel von den Bäumen gefallen. Mit Druckstellen und Dellen, zum Lagern nicht geeignet. Und was macht Frau Mardorf, die „Rücken“ hat und „Knie“? Holt ihre geniale Greifhilfe und  sammelt einen Eimer Äpfel auf. Schält einen halben Eimer, entfernt Kerngehäuse, Druckstellen und Würmer und kocht Apfelmus. Obwohl immer noch „gute“ Äpfel an den Bäumen hängen.

Apfelmus Fallobst

Apfelmus Gläser

Bekloppt, sagen Sie? Für mich hat das auch etwas mit Respekt zu tun, mit dem Würdigen dessen, was die Natur uns gibt. Allerdings bin ich mir auch bewusst, dass Horten und Sammeln und dieses „Das-kann-man-doch-noch-gut-gebrauchen“ sich in problematischer Form verselbstständigen kann und dann zu einem Messie-Dasein führt. Kriegskinder und Kriegsenkel haben nicht nur gelernt, zu überleben und aus Wenigem etwas zu machen, sie tragen auch eine Schattenseite mit sich, die oft erst nach Jahren bewusst wird.

Ich freu mich jedenfalls auf Apfelmus mit Zimtgeschmack im Joghurt morgen.

15. Oktober 2013 at 20:29

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