Posts filed under ‘Krieg’

Lesung und Diskussion mit Constantin Schreiber in Bad Essen

Das kleine Bad Essen hat oft hochkarätige Veranstaltungen zu bieten –  in dieser Woche gleich zwei Lesungen von prominenten Journalisten und Autoren. Gestern war der neue Tagesschau-Moderator Constantin Schreiber im Schafstall zu Gast, der vor allem durch seine Verbindungen in arabische Länder bekannt wurde.

Er stellte sein Buch „Marhaba, Flüchtling“ vor und stellte sich einer intensiven Diskussion.

Lesen Sie den Artikel des Wittlager Kreisblattes zu diesem wirklich spannenden Abend, an dem neben vielen Bad Essenern auch etliche Flüchtlinge teilnahmen, die in den letzten beiden Jahren hier einen neuen Lebensraum fanden:

„ARD-Redakteur zu Gast in Bad Essen“

Verpassen Sie nicht die kommende Lesung mit der WDR-Journalistin Anne Siegel, in der es um ein Flüchtlings-Schicksal aus Deutschlands unseliger Vergangenheit geht:

„Senora Gerta. Wie eine Wiener Jüdin auf der Flucht nach Panama die Nazis austrickste“ .

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7. März 2017 at 15:47

Das Nachkriegskinder-Gen

Ich bin 1950 geboren, das kommt Ihnen vielleicht nicht mehr so als Nachkriegszeit vor. War es aber. Alles war knapp, Wohnraum, Nahrung, Kleidung.  Ja, auch Gefühle waren in manchen Familien knapp, weil die Eltern schlicht mit Überleben beschäftigt waren.  Meine Geschwister und ich haben uns aber nie arm gefühlt, denn Liebe gab es bei uns reichlich, und wir haben nie hungern müssen. Gemüse wurde im Garten angebaut, Hühner wurden auf einer gepachteten Wiese aufgezogen, und sie gaben Eier und Fleisch. Wir sind aber aufgewachsen mit der Haltung, nichts zu verschwenden, denn hinter Allem steckte harte Arbeit. „Das kann man doch noch gebrauchen“, „Das lässt man nicht verkommen“ waren vertraute Sätze damals. Unsere Mutter ribbelte die Wolle von alten Pullovern auf ein Brettchen (weiß heute noch jemand, was „Wolle aufribbeln“ heißt?), feuchtete sie an und glättete sie so. Daraus wurden dann neue Pullover oder Kinderkleider gestrickt, verlängert mit anderer Wolle, so dass es Schachbrett- Muster oder Ringel gab.

Strickkleid

Ein alter Mantel wurde zum Schneider gebracht und gewendet, mit einem neuen Kragen und Ärmelstulpen versehen, und schon war er „wie neu“. Aus Erwachsenen-Kleidern wurden Röcke für die Kinder genäht, Kleidung oder neue Stoffe zu kaufen war viel zu teuer. Schneiderinnen und Schneider waren viel preiswerter – heute wäre diese viele Näharbeit nach Maß gar nicht zu bezahlen. Alles wurde irgendwie verwertet. Wenn Omas Hausschwein geschlachtet wurde, gab es Wurstebrot, in der Pfanne in Scheiben gebraten. Dass der Hauptbestandteil Blut war, war uns als Kindern nicht bewusst. Seit ich das weiß, kann ich Wurstebrot nicht mehr essen, obwohl ich es als sehr köstlich in Erinnerung habe. Verwertet wurde auch alles, was der Garten hergab.  Gemüse wurde in Gläsern eingemacht, aus allem Obst wurde Marmelade gekocht, oder es wurden Säfte gemacht. Fallobst wurde zu Apfelmus verarbeitet. Bei jedem Essen wurden teure Zutaten verlängert. Hackbraten mit Paniermehl und eingebackenen Eiern z.B. Auch Rühreier mit Mehl und Milch waren normal. Nix Sahne und in Butter gestockt! Von meiner Schwiegermutter kenne ich den Spruch „dann nehmen wir ein Ei und machen den Kindern ein paar Eier“.

In den sechziger Jahren las ich von Johannes Mario Simmel „Es muss nicht immer Kaviar sein“, und neben der spannenden Geschichte beeindruckte mich, wie der Held in jeder Lebenssituation aus Resten ein köstliches Essen zauberte. Das Tollste: Die Rezepte standen dabei. Wurstnester mit Rührei wurden ein Klassiker meiner Studentenzeit mit Bafög und einem Konto, das man nicht überziehen konnte.

Ich habe dieses Nachkriegskinder-Gen bis heute. Viele Jahre machte ich mit Begeisterung Patchwork, jeder noch so kleine Flicken wurde verarbeitet (mittlerweile machen die Augen und Handgelenke das nicht mehr so mit). Und heute bekam ich einen akuten Anfall von „Das kann man doch nicht vergammeln lassen“. Durch Wind und Regen waren viele Äpfel von den Bäumen gefallen. Mit Druckstellen und Dellen, zum Lagern nicht geeignet. Und was macht Frau Mardorf, die „Rücken“ hat und „Knie“? Holt ihre geniale Greifhilfe und  sammelt einen Eimer Äpfel auf. Schält einen halben Eimer, entfernt Kerngehäuse, Druckstellen und Würmer und kocht Apfelmus. Obwohl immer noch „gute“ Äpfel an den Bäumen hängen.

Apfelmus Fallobst

Apfelmus Gläser

Bekloppt, sagen Sie? Für mich hat das auch etwas mit Respekt zu tun, mit dem Würdigen dessen, was die Natur uns gibt. Allerdings bin ich mir auch bewusst, dass Horten und Sammeln und dieses „Das-kann-man-doch-noch-gut-gebrauchen“ sich in problematischer Form verselbstständigen kann und dann zu einem Messie-Dasein führt. Kriegskinder und Kriegsenkel haben nicht nur gelernt, zu überleben und aus Wenigem etwas zu machen, sie tragen auch eine Schattenseite mit sich, die oft erst nach Jahren bewusst wird.

Ich freu mich jedenfalls auf Apfelmus mit Zimtgeschmack im Joghurt morgen.

15. Oktober 2013 at 20:29

Was hat der Krieg mit dem heutigen Leben zu tun? Zum Thema Kriegsenkel

Meine Kollegin Ingrid Meyer-Legrand, deren Workshop ich hier neulich erwähnte, hat einen interessanten Blogartikel als Gast von Petra Schuseils Lebenstempo-Blog geschrieben:

Das ganz eigene Lebenstempo der Kriegenkel-Generation?

Sie schreibt darin über Menschen „zwischen Rastlosigkeit und Stillstand hin- und herpendelnd und viele fühlen sich immer wieder dazu gedrängt,  alle paar Jahre den Job hinzuschmeißen oder auch Beziehungen immer wieder zu beenden und neu zu beginnen.“

Ingrid Meyer-Legrand sieht einen Zusammenhang zwischen den Erfahrungen der Eltern (der Kriegskinder) und den Menschen, sie zwischen 1950 und den siebziger Jahren geboren wurden und gibt interessante Erklärungen.

Sie sieht aber nicht nur die Belastungen, sondern auch die Chancen und fragt:

gibt es nicht auch ein großes Potential zu entdecken? Könnte man dieses „Immer-wieder-neu-Anfangen“, diese Ruhe und Rastlosigkeit nicht ebenso gut als Kompetenz betrachten, eben flexibel mit Veränderungen umgehen zu können? Eine Kompetenz, die Kriegsenkel häufig von früh an eingeübt haben, weil bereits ihre Eltern ihr Leben von heute auf morgen neu erfinden mussten? „

Aus meinem Kommentar zu dem Artikel in Petra Schuseils Blog:

„Ich kenne einige dieser rastlosen Kriegsenkel, und allmählich dämmert mir, dass das, was ich lange als Problem sah, auch eine Fähigkeit sein kann: Die Menschen, die man gern abfällig “Lebenskünstler” nennt, sind tatsächlich welche! Sie haben die Kunst gelernt, in jeder Situation irgendwie klarzukommen, mit wenig auszukommen, sie passen sich auf ihre Weise an veränderte Lebensumstände an und finden immer wieder Wege. Sie kommen nicht in die Situation, zu jammern, wenn Stellen abgebaut werden – sie entwickeln Phantasie, um zu überleben und andere Einkommensquellen zu erschließen.
Genauer betrachtet haben sie also nicht einfach das Leid ihrer Eltern übernommen, sondern auch deren Fähigkeiten, die im Krieg und in der Nachkriegszeit gefragt waren:  sich nicht unterkriegen lassen, immer wieder neu anfangen, mit wenig klarkommen.“

Nachtrag vom 6. Mai: In Frau TV gab es einen spannenden Beitrag zu diesem Thema. Hier können Sie ausführliche Berichte lesen und einen Filmbeitrag sehen.

Sehen Sie selbst einen Zusammenhang zwischen Ihrer Weise, Ihr Leben zu gestalten und den Erfahrungen Ihrer Eltern und Großeltern?

25. April 2013 at 11:00

Kriegs(enkel)kinder und Biographie

Einen interessanten Workshop hält Ingrid Meyer-Legrand am 21. April in Berlin:

Kriegs(enkel)kinder zwischen Stillstand und Rastlosigkeit

Aus der Ankündigung:

„Während sich die einen permanent Topleistungen abverlangen, bleiben andere unter ihren eigenen beruflichen Möglichkeiten, stehen gewissermaßen „auf der Bremse“. Handelt es sich hierbei um spezifische Erfolgs- oder Vermeidungsmuster derjenigen, deren Eltern den Krieg und die Flucht erlebt haben? Wie eng sind die eigenen Muster und die biographischen Erlebnisse der Eltern miteinander verkoppelt? Welchen Hintergrund hat das berufliche Auf-der-Bremse-Stehen? In ihrem Workshop widmet sich Ingrid Meyer- Legrand den tieferliegenden Zusammenhängen und gibt Anregungen, wie Sie Ihren Platz im Leben finden – beruflich und privat.“

Mehr Informationen und Möglichkeit zur Anmeldung  finden Sie hier (Urania)

Hier finden Sie das Blog von Ingrid Meyer-Legrand

kriegsenkelkinder

(Quelle Foto: Urania)

Das ganze Programm der Veranstaltungsreihe finden Sie hier

8. April 2013 at 11:20


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