Posts filed under ‘Wertschätzung’

Mit den Toten sprechen

Diesen Blogartikel habe ich für die Blogaktion von Petra Schuseil verfasst, die Blogger(innen) eingeladen hat, im Monat November über ihren Umgang mit dem Gedenken an Verstorbene zu schreiben. Sie finden im Blog „Totenhemdnoch viele weitere Artikel zu diesem Thema.

elisabeth-mardorf-friedhof-m-w

Heute vor 12 Jahren wurde mein Vater beerdigt. Er starb an Allerseelen, einem Tag, an dem wir immer schon an die Verstorbenen dachten. Unsere Familie war in den letzten Wochen vor seinem Tod eng zusammengerückt, und wir konnten ihm ermöglichen, zu Hause zu sterben.
Wir hatten in den Monaten vor seinem Tod viel miteinander gesprochen, waren uns alle sehr nah – und plötzlich war er fort. Ich wollte ihn doch noch so viel fragen! Und ich wollte vor allem wissen, wie es ihm geht. Er war so lange sehr krank gewesen, hatte die Tage liegend in seinem Fernsehsessel verbracht. In dieser Haltung hatte er die wenigsten Schmerzen.
Er war vor der Beerdigung im offenen Sarg in der Friedhofskapelle aufgebahrt. Wir hatten den Schlüssel, und so konnte jeder von uns sich ausführlich von ihm verabschieden. Ich sprach mit ihm, berührte ihn liebevoll und verabschiedete mich von ihm. Sein Tod war eine Erlösung nach langem Leiden gewesen, uns doch vermissten wir ihn alle sehr.

Ich sprach in den ersten Tagen innerlich viel mit ihm, und dann erinnerte ich mich an eine Übung, die ich in meinem Buch über das  Tagebuchschreiben vorgestellt hatte:

„Der innere Dialog“.

Man schreibt dabei Fragen an einen Menschen, an ein Thema, an ein Problem, an eine Krankheit etc. auf und entwickelt im Dialog beim Schreiben auch die Antworten. Wenn man sich Zeit dabei lässt, kommen tatsächlich aus den Tiefen der eigenen Seele oder woher auch immer Antworten, die einen selbst überraschen können. Ich habe für diese Übung ein extra Notizheft, denn oft sind es Themen, die länger wirken.
In meiner Trauer um meinen Vater begann dann einen Dialog „mit ihm“. Klar wenden Skeptiker jetzt ein, das sei doch Quatsch, das würde ich alles selbst schreiben. Wer aber einmal Erfahrung mit Gestalttherapie oder mit Familienaufstellungen gemacht hat, versteht, dass da innere Prozesse in Gang kommen können, die über einen selbst hinausgehen. Auch Schriftsteller, die Romane schreiben, erleben manchmal ähnliches.
Für mich waren diese inneren „Gespräche“ sehr hilfreich und tröstlich. Ich habe solche Gespräche auch mit meinem Großvater geführt, der starb, als ich noch ein Kind war – zu früh, um ihn kritisch über seine Haltung im Dritten Reich zu befragen. In diesen langen inneren Dialogen wurde mir klar, unter welchem Druck er stand, seine neun Kinder zu ernähren, welche Kompromisse er eingehen musste, die ich früher einfach verurteilt hatte. Ich entwickelte so Jahrzehnte nach seinem Tod innerlich eine Beziehung vor ihm, empfand sogar Respekt.
In der katholischen Kirche werden an Gedenktagen „Messen gelesen“. Auch diese finde ich eine schöne Tradition, um den Verstorbenen einen Platz in der Gemeinschaft zu geben, zu der in ihren Lebzeiten gehörten. Eine Form der Ahnen-Verehrung, die in anderen Kulturen sogar noch stärker ihren Platz im Alltag hat. Sie brauchen ja nicht unbedingt einen Ahnen-Altar aufbauen, aber eine kleine Ecke mit Bildern ihrer lieben Verstorbenen tut vielleicht auch Ihrer Seele gut. Vielleicht sprechen Sie im Vorbeigehen auch fast automatisch ein paar Sätze mit Ihren Lieben. Und auch, wenn Sie es albern finden: Probieren Sie doch mal in Ihrem Tagebuch, mit einem lieben Menschen, der Ihnen nahe stand, einen inneren Dialog zu führen. (Sie können ja dann immer noch sagen, dass das nichts für Sie ist).
Natürlich sollte man bei solchen Dialogen, egal, ob gesprochen oder geschrieben, mit „beiden Beinen auf der Erde bleiben“. Das, was man innerlich dabei erlebt, nicht eins zu eins für wahr halten, sondern kritisch überprüfen, ob es wirklich als Anregung für das eigene Leben Bedeutung habe kann. Sich nicht hineinsteigern oder womöglich in einem Wahn verlieren, sondern nach solchen Übungen wieder den normalen Alltag aufnehmen und sich wieder erden. „Mit dem Kopf in den Wolken, und mit den Beinen auf der Erde“, das ist eine gute Devise für den Umgang mit unseren Verstorbenen.

5. November 2016 at 07:00

Bewahrt die Kussallee!

Wie? „Bewahrt die Kussallee“ – was soll das denn jetzt? Die Kussallee gehört doch zu Bad Essen, ist die ist doch wohl kaum gefährdet.

Doch, leider ist sie das, allen früheren Beteuerungen zum Trotz.

Kussalle m.W. Kussallee m.W.2

In der letzten öffentlichen Sitzung des Bauauschusses der Gemeinde Bad Essen am 02.06.2016 wurde die Änderung des Bebauungsplans „Bad Essen-Süd“ besprochen, die am 16.Juni in der Sitzung des Gemeinderats beschlossen werden soll. In der Sitzung des Bauauschusses wurde von den Plänen für die Bebauung des ehemaligen Biergartens hinter dem „Haus am Karlsplatz“ gesprochen. Da entsteht anscheinend etwas Größeres. Die Änderung des Bebauungsplans wurde mehr oder weniger durchgewunken, bis ein Mitglied des Bauauschusses einwandte, sie wolle eine Auflage für diese Bebauung, die Kussallee müsse im jetzigen Zustand erhalten bleiben oder nach erfolgten Bauarbeiten in den alten Zustand zurückversetzt werden.

Und was hörte man da als Antwort? Man könne ja wohl kaum einem Bauherren solche Vorschriften machen.

Die Gemeinderätin beharrte darauf, sie wolle wenigstens ihren Einwand ausdrücklich im Protokoll vermerkt wissen.

NIEMAND im Bauausschuss unterstützte diesen Punkt, er wurde nicht einmal diskutiert!

Die normale Bürgerin wundert sich. Da gibt es Hunderte von Bauvorschriften (ich erinnere mich sogar, als wir auf der Suche nach einem Bauplatz waren, Vorschriften zu lesen, die die Art der Heckenbepflanzung vorschrieben) – und die Gemeinde ist nicht willens, dieses historische Kleinod mitten im historischen Ortskern Bad Essens zu erhalten? Dabei wurde erst vor 10 Monaten noch vollmundig festgestellt, nachdem ein teures Gutachten für die Nikolaistraße beauftragt worden war:

KußalleeQuelle: Wittlager Kreisblatt 12.08.2015

 

Ach, was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Und an das von vorgestern will ich doch schon gar nicht denken? Denn:

Schon im November 2014 votierte der Gemeinderat Bad Essens dafür, die Kußallee zu schützen:

Kussallee 2Quelle: Wittlager Kreisblatt 25.11. 2014

Und noch davor gab es schon im Februar 2009 zum Valentinstag in der Neuen Osnabrücker Zeitung einen ausführlichen Bericht mit dem schönen Titel:

„Eine kleine Straße für die große Liebe“.

Spielt das alles keine Rolle mehr?

Nun bin ich über das Alter für heimliche Knutschreien in der Kussallee längst hinaus (und viele im Bad Essener Gemeinderat vermutlich auch 😉  ), aber wo ist die Verantwortung geblieben, so ein geliebtes und sehr besonderes Eckchen von Bad Essen zu erhalten? In neumodern-planerisch würde man vielleicht sagen: „So ein Alleinstellungsmerkmal“.

Sind alle Äußerungen der letzten Jahre Lippenbekenntnisse?

Liebe Bad Essener Gemeinderäte, das will ich einfach nicht glauben, dass Ihr nicht bereit seid, die Kussallee zu schützen. Es gibt doch schon genug Vertrauensverlust bei den Bürgern!

10. Juni 2016 at 15:01

Lob des Alltags

Das wahre Leben findet ja nicht nur im Beruf, in wichtigen Sitzungen und gaaaanz wichtigen Terminen statt. Der banale Alltag ist ja mindestens so wichtig.  Auch wenn manches vielleicht nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, auch bei Routine-Arbeiten kann es schöne Momente geben. Ich finde, beim Bügeln kann man wunderbar nachdenken, 50er-Jahre Schmonzetten mit Caterina Valente im Fernsehen anschauen, die man sonst gar nicht ertragen würde,  oder sich auch einfach an den Erinnerungen freuen, die mit manchen Bügelteilen verbunden sind.

Heute ist mein Haushaltstag. Muss auch mal wieder sein, und ich mache solche Arbeiten lieber, wenn ich dafür Zeit reserviere, statt mal eben husch husch irgendwie reingequetscht. Beim Bügeln habe ich mich über zwei Teile gefreut:
Erst einmal ein Deckchen aus dem Nachlass meiner Mutter. Sie hatte eine Blumenvase drauf stehen. Das Deckchen mit seinem feinen Spitzenrand habe ich ihr vor Jahrzehnten mal zum Muttertag gehäkelt. Jetzt liegt es frisch gestärkt auf meinem Nachttisch.
Und dann eine Schürze, die meine Tante Sefa mir vor Jahren schenkte. Sie war katholische Nonne und arbeitete in ihren aktiven Jahren im Speisezimmer des Klosters. Als Nonne hieß sie „Maria Hildelita“. Tante Sefa wusste, dass ich gern beim Kochen Schürzen trage, und sie brauchte mit über 80 ja nicht mehr arbeiten. Speisezimmer und Hildelita sind fein eingenäht im Bund der Schürze, von hunderten von Wäschen etwas verblichen, aber noch lesbar.
Und man beachte die sorgfältigen Abnäher, die der Schürze Sitz verleihen. In Zeiten, wo gekaufte Schürzen unförmige gerade Teile sind und wo Abnäher in Kleidung seltene Fossilien sind, rührt mich das fast. Einen meiner Nähkurse in Jugendjahren machte ich bei katholischen Nonnen, und dort lernte ich auch, Abnäher, Revers, Manschetten zu nähen und Reißverschlüsse einzunähen. Revers und Manschetten brauch ich heute eher weniger, aber das mit den Reißverschlüssen ist schon ganz praktisch. 

Gleich baue ich die Nähmaschine auf und repariere einiges. Ja, auch Reißverschlüsse. Das, was ich aus meiner Kindheit in den fünfziger Jahren gelernt und im Studium mit wenig Geld wirklichl gebraucht habe, pflege ich heute immer ncoh. Damit bin ich ja heute wieder hochmordern. Von wegen Nachhaltigkeit und so. Nicht alles gleich wegwerfen, was noch repariert werden kann.
Banaler Alltag kann manchmal doch ganz nett sein.
‪#‎Erinnerungen‬

 

Deckchen

 

Schürze

19. Juni 2015 at 12:25

Frau Mardorf schüttelt den Kopf: Valentinsgeschenke für Hund und Katz?

Am Wochenende flatterte uns ein Prospekt einer Firma für Haustierbedarf ins Haus. Man glaubt es nicht: Da wird ausführlich für Valentinsgeschenke geworben. Katzenkissen in Herzform, Spielzeug in Herzform – 113 Produkte unter dem Motto  „Verwöhne Deinen Liebling zum Valentinstag“.

Ich bin ja wirklich vernarrt in unsere Lucy. Aber auf die Idee, ihr zum Valentinstag extra etwas zu schenken, käme ich nicht. Sie liebt ihren alten Tennisball, den sie in der Hecke vergraben kann,  und ihren alten Spielknochen, den sie vor sich selbst versteckt. Und mich liebt sie sicher nicht noch mehr, wenn sie ein herzförmiges Spielzug in rot bekommt.

DSC06742

Mein Mann und ich schenken uns am Valentinstag auch nichts – wir sind doch nicht die Manövriermasse von Blumen- und Süßigkeiten-Händlern! Wir brauchen keine gewinnsüchtigen Konzerne, um uns Liebe und Wertschätzung zu zeigen. Das geht mit Phantasie im Alltag auch ganz einfach.

(Und wie viele Mütter würden sich über alltägliches Mithelfen ihrer Kinder ohne Murren viel mehr freuen als über den Blumenstrauß zum Muttertag!)

Klar weiß ich um Werbestrategien, auch kenne ich als Selbstständige das Thema Umsatz – aber wie in den letzten Jahren immer neue Feiertage von der Industrie zwecks Umsatzsteigerung erfunden werden, das nervt mich. Führen sie dadurch doch auch neue Formen des Umgangs miteinander ein. Ich möchte nicht wissen, wie viele enttäuschte Menschen durch den Valentinstag produziert werden, weil Erwartungen und Hoffnungen enttäuscht werden!

Wie viele „Wenn Du mich lieben würdest, dann …“  gedacht und gesagt werden … wie viele schlechte Gewissen produziert werden.

Wohlgemerkt, ich halte viel von kleinen Überraschungen und Geschenken. Aber ich lasse mir ungern von Werbestrategen vorschreiben, wann und wie ich jemandem meine Wertschätzung oder Liebe zeige.

So, und jetzt mache ich Lucy´s Essen fertig. Weil sie nämlich nach dem Spaziergang gerne einen vollen Napf hat.

Und das hat schlicht etwas mit Verantwortung für ein anvertrautes Lebewesen zu tun. Ganz ohne rosarot überzuckerte Liebe.

4. Februar 2013 at 15:53

Weihnachtskrippen

In unserer Familie gab es eine Weihnachtskrippe, die von unserem Vater liebevoll aus kleinen Hölzern und Moos gebaut worden war. Die kleinen Krippenfiguren waren im Lauf der Jahre schon etwas „abgeliebt“, aber sie gehörten zu Weihnachten dazu. Besonders begeisterte uns  als Kinder die kleine Stall-Laterne, die sogar „in echt“ leuchtete. (Die große Batterie war hinten versteckt, so eine große viereckige mit zwei „Ohren“, an die man die Drähte klemmte. Nur die Älteren werden sich daran erinnern).

In meinem späteren Erwachsenenleben freute ich mich zwar, die Krippe bei den Eltern wieder zu sehen, aber in der eigenen Wohnung so einen Kitsch? Niemals!

Im Laufe der Jahre aber fehlte mir dieses Teil der Weihnachtsstimmung. Einen Baum hatten wir zwar jedes Jahr, aber darunter stand ein einsamer Elch. Zwar schön geschnitzt, aber er gefiel uns nach einiger Zeit gar nicht mehr. Bis mein Mann vor Jahren in der Adventszeit in seiner Werkstatt suchte und aus Resthölzern eine wirklich schöne Krippe baute. Der Stamm des letzten Weihnachtsbaumes ergab in Scheiben geschnitten ein perfektes Schindeldach. Und eine funktionierende Stall-Laterne bekam ich auch! (Da kam ein altes Handy-Netzteil zu Ehren …)

Und fortan gesellte sich zum heiligen Paar, das im ersten Jahr in der Krippe wohnte, jedes Jahr eine weitere Figur. Die Krippenfiguren sind denen aus der Krippe des Osnabrücker Doms nachempfunden. Ich finde sie wunderschön (und stehe da zu meinem kitschigen Geschmack!).

Hier ist das Original von Jakob Holtmann zu sehen:

Krippe Dom in Osnabrück 2012 verkleinert

Mehr über diese Krippe und andere Krippen im Osnabrücker Land und im Emsland finden sie auf der Website des Vereins der Krippenfreunde e.V.

Und Sie? Welche Erinnerungen haben  Sie an die Weihnachtskrippen Ihrer Kindheit? Haben Sie jetzt noch oder wieder eine?

25. Dezember 2012 at 17:26

100 Jahre internationaler Frauentag

Ja, ja, ich weiß, wir sind alle so emanzipiert, wir brauchen einen solchen Tag nicht mehr (?). Aber noch 1957 bestimmte das sogenannte Gleichberechtingungsgesetz:
„Die bisherige Regelung entfällt. Die Frau ist nun berechtigt erwerbstätig zu sein, aber nur soweit das mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist. Insoweit besteht das Zustimmungserfordernis des Mannes noch fort.“ siehe Gesetzesänderungen hier

Erst 1976 (ja, Sie lesen richtig: neunzehnhundertundsechsundsiebzig) wurde die juristische Voraussetzung dafür geschaffen, dass Frauen ohne Zustimmung des Ehemannes entscheiden konnten, ob sie außerhalb des Hauses berufstätig sein wollten. (Klar, Haushalt zählte weder damals noch heute als ernst zu nehmender Beruf. Grrr! Wenn mehr Männer einen Haushalt führen würden, wäre das garantiert anders!)
Hier lesen Sie im Artikel von Britta Kanacher mehr darüber: Vereinbarkeit von Beruf und Famlie.

Und jetzt raten Sie bitte, aus welchem Jahr dieser folgende Text-Auszug stammt:
„Der im Sommer (…) im Berliner Rathause abgehaltene Internationale Frauen-Kongress, dessen ausdauernde und aufmerksame Zuhörerin die Herausgeberin war, erregte ihr lebhaftestes Interesse für die auf diesem Kongresse behandelten Fragen, die man im Allgemeinen als »Frauenfrage« bezeichnet, und der sie bisher fern stand, da sie durch Haus- und Familienpflichten sowie die thätige Mithilfe an den Berufsarbeiten ihres Gatten vollauf in Anspruch genommen war. Bis dahin war ihr die geistige Thätigkeit der Frau, wenn auch nicht unbekannt, so doch ein von ihr wenig beachtetes und gewürdigtes Gebiet. Erst auf diesem Kongresse wurde sie gewahr, wieviel Intelligenz, Wissen, Energie und zielbewusstes Streben, Eigenschaften, die man nur bei Männern zu finden gewohnt ist, auch bei Frauen vorhanden sind. Auf sie machten diese Wahrnehmungen einen um so tieferen Eindruck, als sie sich auch zu jenen Frauen zählen darf, die ihre Stellung in der Gesellschaft zumeist der eigenen Kraft und dem ernsten Streben zu danken haben.

Das oben angedeutete Interesse veranlasste sie in der Frauenlitteratur Umschau zu halten. Dabei machte sie die Wahrnehmung, dass ein riesiges Anwachsen des von der Frau und über die Frau Geschriebenen innerhalb der letzten 30 Jahre zu verzeichnen ist, dass aber ein übersichtliches, das ganze Gebiet umfassendes Nachschlagewerk, welches über die Frauenthätigkeit auf litterarischem Gebiete ein einwandfreier und zuverlässiger Wegweiser sein könnte, nirgends zu finden ist. Die verschiedenen, die gesamten Schriftsteller umfassenden Lexika, in welchen auch weibliche Autoren sich finden, sind … schon deshalb nicht zuverlässig und erschöpfend, weil eine grosse Anzahl der schreibenden Frauen, dem Vorurteil sich beugend, oder aus anderen Gründen nicht unter ihrem weiblichen Namen ihre Arbeiten der Öffentlichkeit übergeben haben und weil in denselben nur die Bücher schreibende Schriftstellerin berücksichtigt ist, die zahlreichen Frauen der Feder aber, welche als Mitarbeiterinnen von Zeitschriften aller Art, als Übersetzerinnen, Redaktricen u.s.w. eine mehr oder minder ansehnliche Stellung im Reiche der Feder einnehmen, gar keine Berücksichtigung gefunden haben. Mit der stetig zunehmenden Zahl der Frauenwerke, und mit dem Wachsen der Achtung, welche ein grosser Teil derselben selbst in der litterarischen Welt sich zu erringen vermochte, wird hoffentlich auch die Scheu schwinden, mit dem vollen Namen für das einzustehen, was man geschrieben hat.“
Der Artikel stammt aus dem Jahre 1898. Er stammt aus dem Vorwort des Lexikons Deutscher Frauen der Feder (Genaue Quellengabe: Pataky, Sophie: Lexikon deutscher Frauen der Feder Bd. 1. Berlin, 1898., S. V5-XIII13. Hier finden Sie ihn ganz abgedruckt, und das ganze Lexikon finden Sie dort auch.

„Erst auf diesem Kongresse wurde sie gewahr, wieviel Intelligenz, Wissen, Energie und zielbewusstes Streben, Eigenschaften, die man nur bei Männern zu finden gewohnt ist, auch bei Frauen vorhanden sind.“ schreibt die Autorin des Lexikons 1898. Manche Arbeitgeber sind da im Jahre 2011 auch nicht weiter. Es gibt immer noch ungleichen Lohn für gleiche Arbeit. Das zeigt, dass der internationale Frauentag leider noch nicht ganz überflüssig ist. Auch in unserem fortschrittlichen Land nicht. Und Frauen anderer Länder können von Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse nur träumen.

8. März 2011 at 19:38

Kostbare Beobachtungen: Es gibt noch Störche!

Auch wenn niemand mehr an den Klapperstorch glaubt – Störche sind etwas besonderes. Vielleicht mittlerweile auch deshalb, weil sie so selten geworden sind. Hier in unserer Gegend gibt es sie noch, und in  diesem Jahr sind einige neue geschlüpft. Im Moment kann man sie öfter an der B65 bei Bad Essen auf den Feldern sehen – da ist frisch gepflügt, und da scheint es reichlich Leckerbissen zu geben.

Leider kann man dort beim Autofahren schlecht anhalten, deshalb habe ich kein Foto gemacht. Sie können aber alles über die Störche samt Webcam auf der Sonderseite der Neuen Osnabrücker Zeitung entdecken.
Ich bin jeden Tag dankbar, so dicht an der Natur zu leben. Falls Sie zur Landesgartenschau nach Bad Essen kommen, sehen Sie vielleicht die Störche auch. Bald fliegen sie wieder nach Süden …

13. August 2010 at 14:39

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