Posts tagged ‘Schreiben’

Leben, um zu schreiben?

In meinem Buch über das Tagebuchschreiben schrieb ich auch ein Kapitel über die negativen möglichen Begleiterscheinungen beim Führen eines Tagebuchs.  Ja, bei aller Begeisterung: Auch die gibt es. Daran musste ich heute wieder denken, als ich den neuesten Blog-Eintrag von Meike Winnemuth las. Dazu weiter unten.

Ich schrieb in meinem Buch:

„Tagebuchschreiben kann … dann fragwürdig werden, wenn Sie bei allem, was Sie erleben, sozusagen dabeistehen und in Gedanken notieren, wie Sie das in Ihrem Tagebuch berichten würden. Sie erleben alles sozusagen druckreif. …

Während einer Umbruchphase in jüngeren Jahren, in der ich alles sehr intensiv erlebte, hatte ich diese schlechte Angewohnheit – ähnlich wie ein Urlauber, der alles nicht mehr direkt erlebt, sondern nur noch durch das Objektiv seiner Kamera schaut. Das hieß in meinem Fall auch: Ich ließ mich gar nicht mehr auf Menschen und Situationen ein, war in Gedanken immer schon auf einer anderen Ebene und entzog mich dem, was im Moment geschah. Anschließend berauschte ich mich am Schreiben und Beschreiben, fand alles ganz furchtbar interessant und ging meinen armen Freunden auf die Nerven.

Wenn Sie nur noch leben, um interessante Erfahrungen für Ihr Tagebuch machen, leben Sie an sich selbst vorbei. Zwanghaftes Beobachten, zwanghaftes Festhalten tötet die Dynamik, die zum Leben notwendig ist bei uns selbst und bei den Menschen, mit denen wir leben. Ob Tagebuchschreiben hilfreich oder schädlich ist, hängt also einzig und allein von der Balance ab. Es liegt in Ihrer Verantwortung sich selbst und anderen Menschen gegenüber, mit diesem Werkzeug für ein intensiveres Leben gut umzugehen.“ (Kreativ leben mit dem Tagebuch, S. 69/70)

Leben Schreiben m.W.

Ähnliches gilt auch für das Blogschreiben. Das Schreiben eines Blogs kann zwar zu mehr Aufmerksamkeit im Alltag führen, aber es kann auch zum Leben mit permanentem Seitenblick auf Blog-Verwurstbarkeit führen.

Weil ich mir dieser Gefahr bewusst bin, werden Sie in meinem Blog auch immer wieder längere Pausen finden. Ich mag nicht nur für mein Blog leben, und ich mag auch Begegnungen mit Menschen nicht täglich im Blog verarbeiten. (Ich glaube, dann hätte keine(r) aus meinem Freundeskreis noch Interesse an Kontakt mit mir)

Die Journalistin Meike Winnemuth ist in diesem Jahr auf Reisen in Deutschland, jeden Monat in einem anderen Ort. Und wie schon bei ihrer Weltreise plante sie, auch über diese Reise in ihrem Blog zu berichten. Ausgerechnet auf der Insel Spiekeroog mit weniger als tausend Einwohnern machte sie nun Erfahrungen, die sie veranlassten, das beobachtende Schreiben vorerst ruhen zu lassen:

„Was ich schreibe, hat sofortigen Rückkoppelungseffekt auf das Beschriebene, das Beobachten verändert das Beobachtete. Und deshalb werde ich stumm und immer stummer. Oder auch scheu und immer scheuer. Mal eben in das Leben anderer hineinzuschlendern, von ihnen zu erzählen und sie quasi zu Statisten meines Projekts zu machen – mit welchem Recht denn bitte? Gerade auf Spiekeroog, das ich in den vergangenen vier Wochen sehr lieb gewonnen habe, erscheint mir mein Tun plötzlich mächtig ungezogen. Die Leute hier haben mir freundlich die Türen geöffnet (die ja ohnehin nie abgeschlossen sind, auch das sagt viel über Spiekeroog), da gehört es sich nicht, sie vor meine innere Kamera zu zerren. Lieber bei der tollen Tante Fidi oder den so enorm liebenswerten Schröders Tee trinken und Kekse essen und dann nichts schreiben als deren Vertrauen zu missbrauchen. Ich mag auf der Suche nach meiner Heimat keine Heimsuchung sein. Und deshalb mache ich an dieser Stelle Schluss. Es tut mir von Herzen leid, aber ich werde vorerst nicht mehr bloggen. Leben ist wichtiger als Schreiben, habe ich beschlossen.“ (http://zurueckauflos.com/heimsuchung/)

So sehr ich Meikes Entschluss bedaure – ich lese ihr Blog sehr gerne – ich habe großen Respekt vor ihrem Entschluss. Immerhin ist sie Journalistin, und Schreiben ist ihr Beruf.

So wünsche ich ihr und Ihnen und uns Schreiberinnen, dass wir das Leben einfach so genießen können und nicht vor lauter Beobachten auf zu vielen Ebenen gleichzeitig leben.

 

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4. März 2014 at 12:19

Weihnachtspost und Neujahrswünsche

Wie war das in diesem Jahr bei Ihnen mit der Weihnachtspost? Haben Sie viele Karten geschrieben, viele bekommen? Finden Sie es blöd und überflüssig, sich gegenseitig kitschige Karten zu schicken?

DSC02459

Natürlich gibt es Freunde und Verwandte, zu denen der Kontakt regelmäßig da ist, da muss ich mich doch nicht extra melden? Also, ich freue mich über jede Karte, die wir bekommen … und ich weiß auch, dass es anderen so geht. Gerade älteren Verwandten.

Oder wie finden Sie Weihnachts-Rundbriefe?

Ich habe in diesem Jahr mal wieder einen Rundbrief über das letzte Jahr geschrieben und ihn per Post an viele alte Freunde verschickt. Aus verschiedenen Lebensphasen haben mein Mann und ich Freunde in verschiedenen weiter entfernten Orten, und wir sehen uns nicht sehr oft. Aber die innere Verbindung ist da. Ich freue mich seit Jahren immer über die Rundbriefe, die wir bekommen. Durch sie sind wir dann ein bißchen „Auf dem Laufenden“, auch, was die Zahl der  bei vielen wachsenden Enkelschar betrifft ;-). Natürlich stehen für Jeden einige persönliche handgeschriebene Worte dabei, und so handhabe ich das selbst auch.

Ich weiß jetzt durch etliche Anrufe auch, wie sehr sich Freunde über unseren Rundbrief zu Weihnachten gefreut haben. Auch wenn ich selbst gern Emails schreibe – bei Weihnachtspost bin ich da richtig altmodisch. Manche Weihnachtskarten entwerfe und drucke ich auch selbst.

In jedem Jahr sind in der Weihnachtspost auch traurige Gedanken und Nachrichten. Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebserkrankung, Tod eines Verwandten … das erste Weihnachten ohne den geliebten Partner oder Elternteil. Ich bin in einem Alter, in dem Verluste leider „normal“ werden. Umso wichtiger ist es mir, die Zeit für die Pflege von Freundschaften und Verbundenheit zu nutzen. Und das geht unter anderem mit Weihnachtspost ganz wunderbar, auch wenn der Alltag voll ist.

Und wenn die Zeit nicht für Weihnachtspost gereicht hat: Es gbt ja noch Neujahr! Zur Not eben auch noch per Email.

Prosit_Neujahr_2015__500x790_

Und wenn Sie nicht böllern möchten, es gibt ja schöne Wunderkerzen in verschiedenen Größen. Falls Sie nur kleine erwischen, stecken Sie sie in schrumplige Kartoffeln, die Sie sowieso nicht mehr essen würden. Falls Sie nicht gerade mitten in der Stadt wohnen, können Sie die prima werfen.

Ein Beispiel für ein größeres Wunderkerzen-Feuerwerk sehen Sie hier in meinem Blog vom letzten Jahr

alternatives Feuerwerk - Wunderkerzen m.W.

27. Dezember 2013 at 20:11

Frauenfrühstück Bad Essen: Spaziergang durch das Leben

Ann Bruns, die Frauenbeauftragte von Bad Essen, organisiert jeden Monat ein Frauenfrühstück, zu dem sie Referentinnen einlädt. Am Donnerstag 19. Juli werde ich dort zum Thema „Erinnerungen – Spaziergang durch das Leben“ sprechen.

Erinnerungen sind wesentlicher Teil unserer individuellen Identität und wesentlicher Teil der Familiengeschichte. Die eigenen Wurzeln zu kennen wird für viele Menschen immer wichtiger, die Ahenforschung boomt, und viele möchten gern ihre eigenen Erinnerungen für die Kinder und Enkel festhalten. Nur wo soll man anfangen?

Ich habe in meinem Buch „Spaziergang durch das Leben“ eine Sammlung von Anregungen und Fragen zusammengestellt, die die Erinnerung hervorlocken.

Bei dem Frauenfrühstück können Sie in Ihren eigenen Erinnerungen schwelgen und sich mit anderen darüber austauschen und Anregungen mit nach Hause nehmen, wie Sie selbst noch mehr über Ihre Wurzeln erfahren können – oder aber wie Sie Familiengeschichte für Ihre Kinder und Enkel bewahren können.

Ort: Torhauscafe Bad Essen, Lindenstraße

Zeit: Donnerstag, 19. Juli 2012, 9 bis 11 Uhr

Anmeldung: Torhauscafe 05472-7681 oder Ann Bruns: 05472-7681

12. Juli 2012 at 18:32

Ein Abend für Wilsberg- Fans

Dem KuK, dem Verein für Kommunikation und Kultur in Preußisch Oldendorf, war es gelungen, den Autor Jürgen Kehrer für eine Lesung zu gewinnen. Jürgen Kehrer? Für Nicht- Leser und TV- Fans: Das ist der Schöpfer von Georg Wilsberg, dem Privat-Detektiv aus Münster.

Wenn man es als Ortsfremder geschafft hatte, den kaum beleuchteten Parkplatz zum Haus des Gastes zu finden und dann durch den dunklen Park auch noch den Weg zum entfernt zu erahnenden  Gebäude fand, war man eigentlich schon in der richtigen Stimmung für eine Krimi-Lesung.

Aber dann war´s gar nicht gruselig. Eher etwas kühl, da sparsam geheizt. Aber Jürgen Kehrer schaffte es sofort, gute Stimmung zu verbreiten, und es war ein Genuss, ihm zuzuhören. Er las aus „Todeszauber – Wilsberg trifft Pia Petry“ und die komplette Kurzgeschichte „Nie mehr Wilsberg“ aus der Anthologie „Mörderisches Münsterland“.

Jürgen Kehrer ging wunderbar unkompliziert und uneitel mit seinen Zuhörern um, und so blieb die so oft nach Lesungen verkrampfte Stille aus. Es entwickelte sich ein lebendiges Gespräch zwischen Autor und Publikum.

Auf der Website von Jürgen Kehrer lesen Sie mehr über ihn und seine vielen Bücher, eines der neueren ist die „Gebrauchsanweisung für Münster und das Münsterland“.

Den Bericht des Westfalenblatts über die Lesung sehen Sie hier:

Kehrer Wilsberg Holzhausen 2.2012

Am nächsten Wochenende kommen die Wilsberg-Fans wieder auf ihre Kosten: am Samstag, 18. Februar wird im ZDF die „Bielefeld- Verschwörung“ gezeigt.

 

14. Februar 2012 at 13:02

Ratzefummel

Letzte Woche von einer Kollegin geschenkt bekommen: Den „Ratzefummel“ mit dem Slogan: „Kleine Sünden einfach wegradieren“.

Der liebe Gott hat  ja bekanntlich Humor. Ich habe Ratzinger während meines Studiums in Tübingen erlebt. Ob er auch Humor wie sein oberster Chef hat?

Das Bild stammt von der Website  http://www.ratzefummel.eu/

7. Januar 2012 at 17:43

Literatur und Realität – Stanislav Lems Prognose vor 50 Jahren

Im lesenwerten Blog von Petra van Cronenburg fand ich den Hinweis auf den Schriftsteller, Philosophen, literarischen Erschaffer neuer Welten Stanislav Lem,der in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden wäre. In seinem Buch „Rückkehr von den Sternen“, das er vor 50 Jahren schrieb, schilderte er, wie er sich die Zukunft der Buchläden vorstellt (Zitat aus der englischen Version „Return from the stars“ ):

„No longer was it possible to browse among shelves, to weigh volumes in hand, to feel their heft, the promise of ponderous reading. The bookstore resembled, instead, an electronic laboratory. The books were crystals with recorded contents. They can be read the aid of an opton, which was similar to a book but had only one page between the covers. At a touch, successive pages of the text appeared on it. But optons were little used, the sales-robot told me. The public preferred lectons – like lectons read out loud, they could be set to any voice, tempo, and modulation. Only scientific publications having a very limited distribution were still printed, on a plastic imitation paper. Thus all my purchases fitted into one pocket, though there must have been almost three hundred titles …. So a book was printed, as it were, every time someone needed it. The question of printings, of their quantity, of their running out, had ceased to exist. Actually, a great achievement, and yet I regretted the passing of books.“

Die ganze Passage können Sie hier lesen

Da bekommt man ja beim Lesen fast eine Gänsehaut, wie genau er ebooks und Books on Demand beschreibt.

Stanislav Lem äußerte sich in einem seiner letzten Interviews sehr skeptisch über den Nutzen des Internets und weigerte sich, es selbst zu nutzen:

Frage: Benutzen Sie eigentlich das Internet?

Stanislaw Lem: „Nein, ich weigere mich, es zu benutzen. Man hat versucht, mich gewissermaßen mit einer großen Schachtel von Schokoladenbonbons dazu zu bringen, einen Zugang einzurichten. Ich hätte das ganz umsonst erhalten, aber ich will nicht. Ich habe hier so viele wissenschaftliche Bücher und Journale, die ich noch nicht lesen konnte. Ich fürchte mich vor der sogenannten informatischen Sintflut.

Durch das Internet werden gewisse Pfeiler des Kapitalismus erodieren. Das Copyright ist bereits jetzt schon in Gefahr geraten. Es ist fast unmöglich, ein vollkommenes Eigentum des Copyright zu garantieren“ (Quelle: Telepolis )

Es gibt noch so viele Bücher zu entdecken …

Das Buch „Rückkehr von den Sternen“ können Sie auf deutsch hier bestellen

8. Dezember 2011 at 12:40

Blog-Tipp: Deutschland umsonst

Der Journalist Harald Braun wandert mit seinem Hund auf den Spuren von Michael Holzach, der in den achtziger Jahren schon einmal „Deutschland umsonst“ bereiste und darüber ein Buch schrieb. Wandern ohne Geld und auf Gastfreundschaft vertrauen, das ist auch heute noch ein Abenteuer.

Harald Braun hat allerdings gegenüber Michael Holzach einen Vorteil: Er reist mit Iphone und kann über sein facebook-Netzwerk Kontakte knüpfen. Über seine Reise wird er bei Rowohlt ein Buch veröffentlichen, aber vorher können Sie schon auf seinem Blog „Deutschlandumsonst“ die aktuellen Erlebnisse verfolgen. Und mal auf seiner Reiseroute nachschauen, ob er durch Ihre Gegend kommt und ob Sie ihm und seinem Hund Quartier und Essen anbieten können.

Vielleicht haben Sie dann ja auch die Ehre, in der Rubrik „Jeden Tag ein guter Täter“ zu erscheinen 😉

2. Mai 2011 at 14:19

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