Archive for Oktober, 2013

Erinnerungen für Demenzkranke

Die meisten Menschen kennen in ihrer Umgebung jemanden, der demenzkrank ist. Sie wissen, wie schwierig die Kommunikation wird, wie löchrig das Gedächtnis wird, zumindest das Kurzzeitgedächtnis. Das Langzeitgedächtnis scheint noch eine Weile länger zu funktionieren, und genau dort setzt das Konzept an, über frühe Erinnerungen den Kontakt zu Demenzkranken aufzubauen. Gerade ist eine Buchreihe erschienen, die ein alter Schulfreund von mir initiiert hat (Bernd Robben) und deren Entstehen ich mitverfolgen durfte.: „Ja, so war das damals“. Vier Bände umfasst die Reihe, und jedes Buch besteht aus 15 Schwarz-Weiß-Fotos, auf denen bekannte Situationen und Motive aus dem Alltag der 1930er bis 1960er Jahre abgebildet sind. Theo Mönch-Tegeder und die Dom-Medien Osnabrück brachten die Bücher heraus, und der Landkreis Emsland unterstützte das Projekt und stellte vielen Einrichtungen die Bücher zur Verfügung.

demenzbuch(Quelle: Dom-Medien Osnabrück. Danke für die Erlaubnis!)

In der Neuen Osnabrücker Zeitung und auf den Seiten des Landkreises Emsland finden Sie Berichte über die Vorstellung des Projekts.

Viele Demenzkranke werden ja zu Hause versorgt, und vielleicht kennen Sie jemanden, dem diese Bücher bei der Betreuung eine Hilfe sein könnten.

Auf der Internet-Seite der Dom-Medien erfahren Sie mehr Details. Die Bücher können im Buchhandel oder per Email bei der Dombuchhandlung Osnabrück bestellt werden.

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22. Oktober 2013 at 10:25 Hinterlasse einen Kommentar

Das Nachkriegskinder-Gen

Ich bin 1950 geboren, das kommt Ihnen vielleicht nicht mehr so als Nachkriegszeit vor. War es aber. Alles war knapp, Wohnraum, Nahrung, Kleidung.  Ja, auch Gefühle waren in manchen Familien knapp, weil die Eltern schlicht mit Überleben beschäftigt waren.  Meine Geschwister und ich haben uns aber nie arm gefühlt, denn Liebe gab es bei uns reichlich, und wir haben nie hungern müssen. Gemüse wurde im Garten angebaut, Hühner wurden auf einer gepachteten Wiese aufgezogen, und sie gaben Eier und Fleisch. Wir sind aber aufgewachsen mit der Haltung, nichts zu verschwenden, denn hinter Allem steckte harte Arbeit. „Das kann man doch noch gebrauchen“, „Das lässt man nicht verkommen“ waren vertraute Sätze damals. Unsere Mutter ribbelte die Wolle von alten Pullovern auf ein Brettchen (weiß heute noch jemand, was „Wolle aufribbeln“ heißt?), feuchtete sie an und glättete sie so. Daraus wurden dann neue Pullover oder Kinderkleider gestrickt, verlängert mit anderer Wolle, so dass es Schachbrett- Muster oder Ringel gab.

Strickkleid

Ein alter Mantel wurde zum Schneider gebracht und gewendet, mit einem neuen Kragen und Ärmelstulpen versehen, und schon war er „wie neu“. Aus Erwachsenen-Kleidern wurden Röcke für die Kinder genäht, Kleidung oder neue Stoffe zu kaufen war viel zu teuer. Schneiderinnen und Schneider waren viel preiswerter – heute wäre diese viele Näharbeit nach Maß gar nicht zu bezahlen. Alles wurde irgendwie verwertet. Wenn Omas Hausschwein geschlachtet wurde, gab es Wurstebrot, in der Pfanne in Scheiben gebraten. Dass der Hauptbestandteil Blut war, war uns als Kindern nicht bewusst. Seit ich das weiß, kann ich Wurstebrot nicht mehr essen, obwohl ich es als sehr köstlich in Erinnerung habe. Verwertet wurde auch alles, was der Garten hergab.  Gemüse wurde in Gläsern eingemacht, aus allem Obst wurde Marmelade gekocht, oder es wurden Säfte gemacht. Fallobst wurde zu Apfelmus verarbeitet. Bei jedem Essen wurden teure Zutaten verlängert. Hackbraten mit Paniermehl und eingebackenen Eiern z.B. Auch Rühreier mit Mehl und Milch waren normal. Nix Sahne und in Butter gestockt! Von meiner Schwiegermutter kenne ich den Spruch „dann nehmen wir ein Ei und machen den Kindern ein paar Eier“.

In den sechziger Jahren las ich von Johannes Mario Simmel „Es muss nicht immer Kaviar sein“, und neben der spannenden Geschichte beeindruckte mich, wie der Held in jeder Lebenssituation aus Resten ein köstliches Essen zauberte. Das Tollste: Die Rezepte standen dabei. Wurstnester mit Rührei wurden ein Klassiker meiner Studentenzeit mit Bafög und einem Konto, das man nicht überziehen konnte.

Ich habe dieses Nachkriegskinder-Gen bis heute. Viele Jahre machte ich mit Begeisterung Patchwork, jeder noch so kleine Flicken wurde verarbeitet (mittlerweile machen die Augen und Handgelenke das nicht mehr so mit). Und heute bekam ich einen akuten Anfall von „Das kann man doch nicht vergammeln lassen“. Durch Wind und Regen waren viele Äpfel von den Bäumen gefallen. Mit Druckstellen und Dellen, zum Lagern nicht geeignet. Und was macht Frau Mardorf, die „Rücken“ hat und „Knie“? Holt ihre geniale Greifhilfe und  sammelt einen Eimer Äpfel auf. Schält einen halben Eimer, entfernt Kerngehäuse, Druckstellen und Würmer und kocht Apfelmus. Obwohl immer noch „gute“ Äpfel an den Bäumen hängen.

Apfelmus Fallobst

Apfelmus Gläser

Bekloppt, sagen Sie? Für mich hat das auch etwas mit Respekt zu tun, mit dem Würdigen dessen, was die Natur uns gibt. Allerdings bin ich mir auch bewusst, dass Horten und Sammeln und dieses „Das-kann-man-doch-noch-gut-gebrauchen“ sich in problematischer Form verselbstständigen kann und dann zu einem Messie-Dasein führt. Kriegskinder und Kriegsenkel haben nicht nur gelernt, zu überleben und aus Wenigem etwas zu machen, sie tragen auch eine Schattenseite mit sich, die oft erst nach Jahren bewusst wird.

Ich freu mich jedenfalls auf Apfelmus mit Zimtgeschmack im Joghurt morgen.

15. Oktober 2013 at 20:29 10 Kommentare

Die Buchmesse, die Tageszeitung und die Pseudo-Promis

Liebe Neue Osnabrücker Zeitung,

Warum schickt Ihr die kompetente Elke Schröder zur Buchmesse, die wirklich gute Artikel schreibt und titelt dann die heutige Ausgabe so, dass alle Autoren Grund haben, beleidigt zu sein: Zwei Drittel B.Becker und Christiane F. ein Drittel Leon de Winter als Titelbild. Und dazu der unsägliche Text:

„In diesem Jahr erscheinen viele Promi-Autobiografien. Unter anderem präsentieren Ex-Tennis-Profi Boris Becker(oben) und Christiana Felscherinow, bekannt durch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, ihre Lebensgeschichten. Doch auch „echte“ Literaten wie Leon de Winter (unten links) sind in Frankfurt.“

Toll, bei der Buchmesse gibt es auch echte Literaten, wer hätte das gedacht. Allerdings nur in Gänsefüßchen, so echt sind anscheinend in den Augen der NOZ dann doch nicht. Pseudo-Promis sind wohl echter. Und auch im Feuilleton geht´s dann heute weniger um echte Literaten auf der Buchmesse als um  Pseudo-Promis. Marcel R-R (Gott-hab-ihn-selig)  und Herr Lüddemann (höchst lebendig) müssten da doch toben.

(… und ehe Fragen kommen: ja, der Fleck ist von meinem Frühstücksbrötchen)

 

NOZ Titel Buchmesse

 

10. Oktober 2013 at 13:02 1 Kommentar

Lebenslanges Lernen

Dass man von Tieren viel lernen kann, ist ja nicht Neues. Heute aber hat unser Hund mich doch verblüfft.

Lucy hasst Katzen, seit sie lebt. Das macht 13 Jahre Katzen-Hass. In unserem Hause darf man nicht mal das Wort aussprechen, dann steht sie mit allen Vieren in der Luft. Also, „dieses Tier mit 4 Beinen, das mit K anfängt“. Von denen gibt es bei uns in der Gegend auch viele. ABER: Heute mit Lucy einen Besuch gemacht. Sie sieht durch das Fenster draußen im Garten die Hauskatze und springt erst im Quadrat, kläfft rum. Dann aber: Der Katze ist das zu blöd, sie geht an die andere Haus-Seite. Lucy postiert sich dort. Guckt gebannt der Katze zu, die wiederum irgendetwas da draußen beobachtet. Dann kommt die Katze näher, postiert sich genau vor Lucys Nase auf der anderen Seite der Scheibe. Und minutenlang starren sie sich ruhig und gebannt gegenseitig an. Das lässt hoffen. Ich mein´, wenn eine so alte Hundedame noch eingefahrene Gewohnheiten ändern kann, müssten wir Zweibeiner das doch auch schaffen.

01.Katze beobachten

02.Katze beobachten

03. Katze beobachten

04.Katze beobachten

9. Oktober 2013 at 19:26 2 Kommentare

Klinik im Kloster in Barth – eine verrückte Ausstellung

Vor einigen Wochen sahen wir in Barth an der Ostsee eine hinreißende Ausstellung. Wenn Sie meinen, Sie hätten in der Kunst schon alles Wesentliche gesehen, sollten Sie wenigstens diese eine Ausstellung noch auf Ihren Plan setzen. Textilkunst soll das sein? Naja, Frauenkram mit Nadeln. Environment soll das sein? Viel zu naturalistisch. Szenerien in mehreren Räumen? Sicher viel gebastelt.

Werfen Sie Ihre Vorurteile über Bord und wagen Sie den Eintritt in eine völlig verrückte Welt. Das Vineta Museum Barth präsentiert im Adligen Fräuleinstift die Ausstellung von Stefanie Alraune Siebert, die in 32 Jahren eine unglaubliche Fülle an Lebenswelten und Figuren aus Stoff gestaltet hat. Kaufen Sie an der Kasse den Katalog, damit Sie in dieser verrückten Umgebung wenigstens ein bisschen verstehen.

Im Wartezimmer begrüßt Sie eine merkwürdige Patientenschar.

Wartezimmer

Unser aller Angie leidet unter Angina.

Angie hat Angina_800x600

Ein Mensch, der für meine Augen wie Leonhard Cohen aussieht, hält sich für den alten Fritz, und Miss Marple hat Herzprobleme. Bei Fräulein Fitz ist unerklärlicherweise ein Bart gewachsen.

Der alte Fritz und Miss Marple

Auf der anderen Seite ist noch Platz für neue Patienten.

ein neuer Patient wartet_800x600

Damit sie sich nicht langweilen, ist dort eine Fühltafel aufgebaut, damit der Drang, alles anzufassen, in kontrollierbare Bahnen gelenkt wird. Stellen Sie sich vor, 20000 Klinikbesucher würden ihre Spuren überall hinterlassen!

Bitte anfassen

Fühl-Tafel. Bitte anfassen

Auf dem Streifzug durch die Klinik sehen wir den Chefarzt Prof. Dr. Müller-Krombach, der sich mit Schwester Loretta Affenbichler vergnügt. Die Gattin wartet schon mit dem Messer hinter dem Vorhang. Da wird Miss Marple noch viel zu tun bekommen!

Prof.Dr.Müller-Krombach mit Schwester und Gattin

In einer Abteilung werden Dackelhaare transplantiert oder Botox-Spritzen verpasst. Auch kann man das Atelier von Alraune bestaunen, in dem alles aus allerfeinsten Stoffen ist, selbst die Nähmaschine.

Alraunes Näh-Atelier

Im Speisesaal fühlt man sich in Thomas Mann´s Zauberberg versetzt. Hier speisen die Patienten, die nicht bettlägerig sind, und das Klinikpersonal.

Speisesaal

Der Zuschauer kommt aus dem Staunen nicht heraus über das opulente Buffet, an dem jede Auster eine Perle enthält, die Begleitmusik an Piano und Akkordeon und über die Sėance , bei der sogar ins Jenseits telefoniert werden kann.

Buffet

Austern

Seance

Unglaublich, was Stefanie Alraune Siebert geschaffen hat. Ein Lebenswerk mit der Nadel, in feinsten Details und in einer Ausdruckskraft, die nicht nur über ihr perfektes Handwerk Auskunft gibt. Jede einzelne Figur hat einen eigenen Charakter, selbst die Fische auf dem Buffet. Und der skurrile bis makabre Humor, mit dem sie ihre Szenerien entwickelt, zeugt  von tiefer Kenntnis menschlicher  Schwächen,  Eitelkeiten und Verrückheiten. Ich konnte mich nicht satt-sehen. Als Frau, die selbst nähbegeistert ist und sich schon viel mit Textilkunst befasst hat, habe ich großen Respekt vor der Leistung dieser Künstlerin.

Sie können die Ausstellung noch bis zum 31. Oktober 2013 sehen. Details hier.

Und wenn Sie es in Barth nicht mehr schaffen: Stefanie Alraune Siebert hat in Haigerloch bei Tübingen seit neuestem ein eigenes Museum. Hier lesen Sie mehr darüber

Die Website der Künstlerin mit allen aktuellen Informationen finden Sie hier.

Danke für die Genehmigung, die Fotos hier in meinem Blog zu zeigen!

3. Oktober 2013 at 19:15 Hinterlasse einen Kommentar

Büchermonogamie

Vor meinem Geburtstag im letzten Monat wurde ich von mehreren Freundinnen gefragt, ob man mir denn noch „richtige“ Bücher schenken dürfe. Wo ich doch so eine begeisterte Ebook-Leserin sei und auch selbst meine Bücher als Ebooks anbiete.

Klare Antwort: Ich liebe Bücher in jeder Form. Ich finde es zwar praktisch, mit meinem Ebook-Reader von überall die Möglichkeit zu haben, Leseproben und Bücher zu bestellen. Beispielsweise im Urlaub, wenn ich auf die Bücher, für die ich richtig viel Lesezeit brauche, dann doch keinen Appetit habe und lieber bei präseniler Bettflucht eine Schmonzette lese. Ich finde es auch praktisch, bei Wartezeiten und Zugfahrten immer Lesestoff dabei zu haben, ohne viel zu schleppen. Und, ja, ich finde es auch sehr praktisch, die Schrift beim Lesen vergrößern zu können. Drei Brillen mit 4 verschiedenen (z.T. kombinierten) Sichtstärken haben halt ihre eigenen putzigen Anforderungen.

ABER: Ich liebe auch Papier in jeglicher Form. Liebe schön gestaltete Bücher, die sich dazu noch gut anfühlen. In denen ich blättern kann, in die ich Lesezeichen legen kann (ja, ich bin auch ein Fan von schön gestalteten Lesezeichen). Ich kann auch nicht länger als 5 Minuten in einer Buchhandlung sein, ohne ein Buch zu kaufen. Nur kleingedruckte Taschenbücher, die bleben bei mir links liegen.

Ich mag es, in Büchern, die ich geschenkt bekam, die Widmungen zu lesen, manchmal Jahre später in Erinnerungen zu schwelgen. Gelegentlich finde ich in meiner Bibliothek ein Buch, das mir vor Jahrzehnten im Studium geliehen wurde und das ich nach mehrern Umzügen schlicht nicht mehr als fremdes Eigentum erkannte, oder mir bringt jemand ein Buch, das er vor Jahren von mir geliehen hat. Was als Peinlichkeit anfing, endet dann in wiederaufgenommenem Kontakt. Stichwort Bibliothek: Ich wohne gern mit Büchern, bei uns stehen in drei Räumen Bücherregale.

Also, was Bücher angeht, bin ich überhaupt nicht monogam. Weder bei Ebooks vs. gedruckte Bücher noch bei Tagebuch vs.Blog noch bei den Inhalten, die ich lese. Man darf mir Biografien schenken, Familienromane, die über mehrere Generationen gehen, ernsthafte Literatur über den Holocaust und Krimis, auch Sachbücher über verschiedenste Themen. Nur bitte keine psychologischen Fachbücher mehr. Davon hatte ich im Laufe meines Lebens reichlich, und die wähle ich jetzt sehr genau aus.

1. Oktober 2013 at 12:53 1 Kommentar


Richtungswechsel Ebook und Taschenbuch

Tagebuch

Zufall/ Synchronizität

Das kann doch kein Zufall sein - als Taschenbuch und jetzt als Ebook

Spaziergang als Ebook

Schreiben Sie Ihre Biografie oder interviewen Sie Ihre Verwandten!

Spaziergang als TaBu

Auch ein schönes Geschenk!
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